Honeybridge. All Mine

  • Titel: Honeybridge. All Mine
  • Autor/in: Pippa Nixon
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Genre: Romane | Erzählungen
  • Tropes: Smalltown | Second Chance | Found Family
  • Seiten: 416

Honeybridge. All mine – Pippa Nixon

Der Einstieg in Honeybridge – All Mine ist mir überraschend schwergefallen. Dabei lag es weniger an der Geschichte selbst, sondern vielmehr an der Erzählweise. Obwohl ich grundsätzlich keine Probleme mit der dritten Person habe, fühlte sich der Schreibstil hier zunächst ungewohnt an. Die sehr kurzen, teils abgehackten Sätze haben meinen Lesefluss gehemmt und es mir erschwert, wirklich in der Handlung anzukommen. Gerade zu Beginn hatte ich deshalb das Gefühl, emotional auf Distanz zu bleiben, obwohl das Setting eigentlich viel Potenzial bietet.

Was jedoch von Anfang an funktioniert hat, waren die Nebenfiguren und die Atmosphäre rund um den Buchladen. Die Frauen dort sind sofort sympathisch, warmherzig und lebendig gezeichnet. Besonders Amber ist eine Figur, die man einfach mögen muss. Sie bringt eine sanfte, fast schützende Energie in die Geschichte, die dem Roman früh eine emotionale Basis gibt. Auch humorvolle Momente lockern den Einstieg auf und zeigen, dass das Buch durchaus Leichtigkeit besitzt. Mit zunehmendem Fortschritt der Handlung hat sich mein Eindruck deutlich gewandelt. Honeybridge beginnt, sich wie eine echte Kleinstadt anzufühlen. Dieses langsame Ankommen war für mich ein zentraler Punkt des Leseerlebnisses. Nach und nach entfaltet sich ein cozy Smalltown-Feeling, das sehr an bekannte Wohlfühlgeschichten erinnert und genau davon lebt. Die Geschichte nimmt sich Zeit für alltägliche Begegnungen, kleine Gesten und zwischenmenschliche Dynamiken. Gerade diese ruhigen Momente haben dafür gesorgt, dass ich mich immer wohler gefühlt habe.

„Du musst nicht mit allem allein fertig werden“, erwiederte er und gab ihr damit den Rat, den sie ihm gegeben hatte. „Du hast jetzt mich.“ Sie grinste und schaute durch das neu ausgestattete Restaurant. „Und Honeybridge„, sagte sie. „Und das tut so gut.“1

 

Die Beziehung der Hauptfiguren lebt vor allem von ihrem Schlagabtausch und einer spürbaren Spannung, die sich nicht sofort auflöst. Beide wirken selbstbewusst, teilweise fast herausfordernd, was ihre Interaktionen interessant macht. Besonders gelungen fand ich Szenen, in denen nicht große Gesten, sondern leise Nähe im Vordergrund steht. Auch die Einbindung von Nebenhandlungen sorgt für zusätzliche Tiefe und lässt erahnen, dass Honeybridge mehr ist als nur Kulisse für eine Liebesgeschichte.

Im letzten Teil des Buches hatte ich jedoch das Gefühl, dass das Erzähltempo deutlich anzieht. Einige Entwicklungen wirkten auf mich weniger organisch und eher konstruiert. Emotionale Entscheidungen werden sehr schnell getroffen, wodurch mir stellenweise die innere Entwicklung der Figuren gefehlt hat. Das hat bei mir dazu geführt, dass die emotionale Wirkung nicht ganz so stark war, wie sie hätte sein können. Gleichzeitig bleiben einzelne Handlungsstränge bewusst offen, was neugierig macht, aber auch ein leichtes Ungleichgewicht im Abschluss hinterlässt.

Insgesamt ist Honeybridge – All Mine ein Roman, der vor allem durch seine Atmosphäre, seine Nebenfiguren und das Kleinstadtgefühl überzeugt. Der Weg dorthin ist etwas holprig, doch wer sich darauf einlässt, wird mit vielen warmen, ruhigen Momenten belohnt. Trotz erzählerischer Schwächen ist es ein Buch, das sich gut lesen lässt und Lust darauf macht, Honeybridge erneut zu besuchen. Ein solides Wohlfühlbuch mit Herz für den Herbst mit 3.5 von 5 Sternen, welches nicht perfekt ist, aber genau weiß, welche Stimmung es transportieren möchte.

1 Nixon, P. (2025). Honeybridge. All mine (S. 385). Bastei Lübbe.
2 Nixon, P. (2025). Honeybridge. All mine (S. 286). Bastei Lübbe.

 

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