This Isn’t Happiness – Mary Newnham
Glück ist etwas, das oft von außen definiert wird: Beziehung, Sicherheit, ein klarer Plan. This Isn’t Happiness stellt genau diese Vorstellung infrage – nicht laut, nicht provokant, sondern auf eine beinahe schmerzhafte leise Weise. Es zeigt Dinge, die viele kennen, aber selten offen benennen: das langsame Unwohlsein im eigenen Leben, das Gefühl, festzustecken, während von außen alles „richtig“ aussieht.
Amy ist Ende zwanzig, Lehrerin, in einer langjährigen Beziehung, mit einem Umfeld, das klare Vorstellungen davon hat, wie ihr Leben auszusehen hat. Und genau hier setzt der Roman an. Nicht mit großen Konflikten, sondern mit kleinen, fast beiläufigen Momenten, in denen sich zeigt, dass etwas nicht stimmt. Dass Erwartungen sich überlagern. Dass Bedürfnisse unausgesprochen bleiben. Dass Nähe fehlt, ohne dass man genau sagen kann, wann sie verloren gegangen ist.
Was mich beim Lesen besonders berührt hat, ist diese leise, aber konstante innere Spannung. Amy ist keine Figur, die sofort rebelliert oder laut aufbegehrt. Sie funktioniert. Sie passt sich an. Sie schluckt Dinge runter. Und genau das macht ihre Geschichte so schmerzhaft real. Als Leserin habe ich mich immer wieder gefragt: Ab welchem Punkt merkt man eigentlich, dass man sich selbst verloren hat? Und noch wichtiger: Warum ist es so schwer, das rechtzeitig ernst zu nehmen?
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Er bedeutet mir viel, aber nicht genug, um für ihn zu kämpfen, und das bricht mir das Herz.1
Mary Newnham erzählt diese Geschichte mit viel Humor, was den Roman zunächst leicht wirken lässt. Ich habe oft gelacht – manchmal, weil Situationen absurd sind, manchmal aus purem Wiedererkennen. Doch dieser Humor ist trügerisch. Unter ihm liegt eine große emotionale Schwere. Denn das, was hier beschrieben wird, ist nicht spektakulär, sondern alltäglich. Und genau deshalb so wirkungsvoll. Die zwischenmenschlichen Dynamiken, die familiären Eingriffe, die unausgesprochenen Vorwürfe – all das fühlt sich erschreckend vertraut an.
Besonders stark fand ich, wie das Buch mit dem Thema Kommunikation umgeht. Nicht im Sinne von „man hätte nur reden müssen“, sondern in der Frage, warum Reden manchmal gar nicht mehr möglich ist. Wenn sich Menschen über Jahre hinweg aneinander vorbeibewegen. Wenn Bedürfnisse keinen Raum bekommen. Wenn Schweigen zur Gewohnheit wird. Das Buch verurteilt dabei nicht, sondern zeigt, wie komplex und schmerzhaft solche Prozesse sind. Ein weiterer Aspekt, der für mich viel Tiefe erzeugt hat, ist der gesellschaftliche Druck, der über allem schwebt. Diese unausgesprochene Erwartung, dass man mit Ende zwanzig oder Anfang dreißig bestimmte Meilensteine erreicht haben sollte. Beziehung, Sicherheit, Zukunftsplan. This Isn’t Happiness stellt diese Vorstellung nicht laut infrage, sondern unterwandert sie leise. Es zeigt, wie zerstörerisch solche Erwartungen sein können, wenn sie wichtiger werden als das eigene Wohlbefinden.
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Diese Welt ist sowieso schon zu klein. Ihr zwei braucht etwas Abstand. Ihr braucht Geheimnisse, unterschiedliche Geschichten, unterschiedliche Menschen in eurem Leben.2
Amys Entwicklung folgt keinem klassischen Muster. Sie wird nicht plötzlich selbstbewusst oder vollkommen sicher, sondern bewegt sich langsam vorwärts, oft unsicher, manchmal widersprüchlich. Genau das macht ihren Weg so glaubwürdig. Veränderungen wirken hier nicht wie ein glatter Neuanfang, sondern wie etwas, das Mut kostet, Angst macht und Zeit braucht. Nichts fühlt sich überstürzt oder künstlich an, vieles bleibt offen – und gerade darin liegt die Stärke der Geschichte. Besonders gefallen hat mir, dass der Roman keine einfachen Antworten liefert. Er erklärt nicht, wie ein glückliches Leben auszusehen hat, sondern stellt Fragen. Über Beziehungen, über Selbstbilder und darüber, was wir uns selbst eigentlich schuldig sind. Statt Lösungen vorzugeben, regt das Buch zum Nachdenken an – und genau das bleibt lange hängen. Am Ende bleibt ein Gefühl von Ehrlichkeit und leiser Hoffnung. Der Gedanke, dass es in Ordnung ist, nicht fertig zu sein. Dass man sich selbst neu suchen darf. Und dass ein Neuanfang kein Scheitern ist, sondern oft ein notwendiger Schritt, um wieder Luft zu bekommen und weiterzugehen.
This Isn’t Happiness ist ein Roman, der wütend machen kann, der frustriert und manchmal wehtut – aber genau darin liegt seine Qualität. Er fühlt sich echt an, unbequem und dabei unglaublich nah.
1 Newnham, M. (2025). This isn’t Happiness (S. 319). Pola Verlag.
2 Newnham, M. (2025). This isn’t Happiness (S. 194). Pola Verlag.








