Holiday Ever After

  • Titel: Holiday Ever After
  • Autor/in: Hannah Grace
  • Verlag: LYX Verlag
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Genre: New Adult
  • Tropes: Small Town Romance | Feel Food | Enemies to Lovers
  • Seiten: 496

Holiday Ever After – Hannah Grace

Manche Bücher beginnt man mit einer gewissen Zurückhaltung und merkt erst beim Lesen, wie unbegründet sie war. Holiday Ever After von Hannah Grace ist für mich genau so ein Fall. Nach der Weihnachtszeit hatte ich die Sorge, dass mich eine überladene Wohlfühlromance erwartet, zu weihnachtlich, zu kitschig und letztlich vorhersehbar. Doch der Roman entscheidet sich bewusst gegen diesen Weg und entwickelt gerade dadurch eine eigene Stärke.

Statt Weihnachtsromantik in den Vordergrund zu stellen, erzählt Hannah Grace eine Wintergeschichte, die ihre Wirkung aus Atmosphäre und Figuren zieht. Der Winter ist dabei kein bloßer Hintergrund, sondern prägt das Tempo und die Stimmung des Romans. Beim Lesen entsteht dieses stille, stimmige Gefühl, das man kennt, wenn draußen Schnee liegt oder die Luft nach Kälte riecht und sich Text und Jahreszeit plötzlich ergänzen. Die Wärme des Romans entsteht nicht durch Dekoration, sondern durch Orte, Begegnungen und kleine, sorgfältig gesetzte Momente. Besonders das Setting trägt diese Wirkung. Die Kleinstadt wirkt nicht wie eine austauschbare Kulisse, sondern wie ein Ort mit eigener Identität. Man lernt sie über Läden, Routinen und Menschen kennen, über beiläufige Details, die sich nach und nach zu einem stimmigen Gesamtbild fügen. Dieses cozy Kleinstadtgefühl, das viele Romances versprechen, wirkt hier weder aufgesetzt noch idealisiert, sondern erstaunlich glaubwürdig.

Das Schlimmste ist, ich habe sie wirklich gemocht. Ich mochte es, mit ihr zu reden und sie anzusehen. Aber mögen ist nicht das Gleiche wie vertrauen, und im Moment traue ich ihr nicht.1

Getragen wird diese Atmosphäre von den Figuren. Clara ist eine Protagonistin, die man schnell ernst nimmt. Sie ist zielstrebig und reflektiert, ohne kühl zu wirken, und sie bleibt offen für Veränderung, ohne ihre Haltung zu verlieren. Ihre Entwicklung wird nicht behauptet, sondern entsteht aus ihren Entscheidungen und Begegnungen. Auch Jack bleibt nicht auf die Rolle des Love Interests reduziert, sondern besitzt eigene Konturen und Konflikte. Dasselbe gilt für die Nebenfiguren, die nicht bloß Funktion erfüllen, sondern dem Roman Tiefe verleihen. Man hat das Gefühl, dass jede Begegnung ihren Platz hat und dass etwas fehlen würde, wenn eine davon nicht erzählt worden wäre.

Die Liebesgeschichte zwischen Clara und Jack entwickelt sich ruhig und schrittweise. Sie steht im Zentrum des Romans, ohne alles andere zu überlagern. Vielmehr wächst sie aus dem Zusammenspiel von persönlicher Entwicklung und dem sozialen Gefüge der Stadt. Obwohl bestimmte Entwicklungen nachvollziehbar erscheinen, bleibt der Roman insgesamt weniger vorhersehbar als erwartet. Besonders das Ende überrascht nicht durch einen künstlichen Bruch, sondern durch seine emotionale Konsequenz und verleiht dem Happy End eine unerwartete Tiefe.

Wenn du sagst, ‚bevor du weggehst‚, klingt es fast. als ob ich dich nie wiedersehen würde. Es fühlt sich an, als würdest du um mich trauern, bevor ich überhaupt weg bin.2

Auch sprachlich überzeugt Holiday Ever After durch einen flüssigen, warmen Stil. Humor ist dezent, aber wirkungsvoll eingesetzt, Dialoge wirken lebendig, emotionale Szenen bekommen Raum, ohne pathetisch zu werden. Beim Lesen habe ich mehrfach gelacht und wurde zugleich an Stellen leise berührt. Der erste Kuss steht exemplarisch dafür, wie der Roman mit Nähe umgeht: beinahe filmisch, aber nie kitschig, eher als ein Moment, der sich genau deshalb echt anfühlt.

Holiday Ever After zeigt, wie wirkungsvoll Wohlfühlromance sein kann, wenn sie sich Zeit nimmt für Figuren, Orte und emotionale Entwicklung. Der Roman ist cozy und warm, ohne oberflächlich zu sein, und verbindet Winteratmosphäre mit einer Liebesgeschichte, die sich nicht aufdrängt, sondern wächst. Zurück bleibt das Gefühl, nicht nur eine Geschichte gelesen, sondern einen Ort und seine Menschen kennengelernt zu haben.

1 Grace, H. (2025). Holiday Ever After (S. 76). LYX Verlag.
2 Grace, H. (2025). Holiday Ever After (S. 399). LYX Verlag.

 

 

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