Wenn ich mir die Fantasy-Neuerscheinungen im deutschsprachigen Raum für das Frühjahr 2026 anschaue, überrascht mich vor allem eines: wie stabil und gleichzeitig lebendig dieser Markt gerade ist. Viele der ausgewählten Titel stammen von Autorinnen, die bereits bewiesen haben, dass sie Fantasy nicht nur beherrschen, sondern weiterdenken. Namen wie Penn Cole oder Beril Kehribar stehen längst für Geschichten, die Leserinnen emotional binden – und genau dieses Vertrauen scheint sich auch in den neuen Veröffentlichungen fortzusetzen. Es fühlt sich weniger nach einem Neuanfang an, sondern eher nach einem selbstbewussten Weitererzählen.
Was dabei besonders ins Auge fällt, ist die klare Rückkehr mythischer Motive. Drachen sind im Frühjahr 2026 allgegenwärtig – und das nicht ohne Grund. Ob in A Fire in the Sky, Tale of Sun and Night oder Royal Houses – Haus der Drachen: Diese Wesen stehen längst nicht mehr nur für Spektakel, sondern für Macht, Herkunft und innere Transformation. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass sich auch der Phönix als Symbol wieder stärker in den Vordergrund schiebt – Wiedergeburt, Zerstörung und Neubeginn scheinen thematisch genau den Nerv der Zeit zu treffen. Diese mythologische Aufladung gibt vielen Geschichten eine Tiefe, die über klassische Fantasy-Dramaturgien hinausgeht.
Ein weiterer Trend, der mich persönlich besonders freut, ist die anhaltende Präsenz von Akademie-Settings. Bücher wie School of Darkness – Where the Night Falls zeigen, warum dieses Subgenre so gut funktioniert: Akademien schaffen Nähe, Rivalität und persönliche Fallhöhe. Für mich haben diese Geschichten immer etwas sehr Intimes, weil sie Entwicklung nicht abstrakt erzählen, sondern an Figuren festmachen, die lernen, scheitern und sich neu positionieren müssen. Dass dieses Motiv weiterhin so stark vertreten ist, empfinde ich weniger als Wiederholung, sondern als Weiterentwicklung.




Gleichzeitig öffnet sich der deutschsprachige Markt spürbar für asiatisch inspirierte Fantasy – ein Trend, den ich selbst schon lange mit Begeisterung verfolge. The Poet Empress – Eine Ballade von Liebe und Tod fügt sich hier für mich ganz natürlich ein. Das Buch steht für eine Erzähltradition, die stärker über Symbolik, Machtstrukturen und Tragik arbeitet und dabei bewusst andere Akzente setzt als westliche High Fantasy. Gerade weil ich selbst gern zu koreanischen und asiatisch geprägten Fantasytiteln greife, sehe ich hier enormes Potenzial, diese Einflüsse noch stärker im hiesigen Markt zu verankern.
Und dann ist da noch ein ganz persönlicher Moment: Heat of the Everflame. Ich habe den zweiten Band zwar noch nicht gelesen, aber der erste hat mich vollkommen abgeholt. Umso größer ist meine Vorfreude darauf, dass die Reihe endlich weitergeht. Diese Art von Romantasy – emotional, politisch und konsequent erzählt – ist genau das, was für mich zeigt, warum Übersetzungen internationaler Reihen im deutschen Markt funktionieren, wenn sie sorgfältig ausgewählt werden.
Unterm Strich fühlt sich das Fantasy-Frühjahr 2026 für mich nicht nach einer bloßen Ansammlung neuer Titel an, sondern nach einem Programm, das Vertrauen ausstrahlt: in bekannte Stimmen, in bewährte Motive und in Leser*innen, die Lust haben, sich auf genau diese Mischung aus Vertrautem und Neuem einzulassen.




Fantasy beginnt oft dort, wo man einfach weiterliest, obwohl man eigentlich schon schlafen sollte.
Wenn ich mir die internationalen Fantasy-Neuerscheinungen für das Frühjahr 2026 ansehe, habe ich das Gefühl, dass sich vieles von dem widerspiegelt, was wir auch im deutschsprachigen Raum beobachten – nur oft noch einen Schritt konsequenter. Der englische Markt wirkt gerade sehr klar in seiner Ausrichtung: große epische Geschichten, deutliche Subgenres und eine starke visuelle Identität. Und ja, vielleicht bilde ich mir das ein, aber ich habe immer wieder das Gefühl, dass die englischen Cover mutiger, stimmiger und ästhetisch durchdachter sind. Viele dieser Bücher ziehen mich allein visuell sofort an und lassen bereits erahnen, welche Atmosphäre sie transportieren wollen.
Inhaltlich setzen sich bekannte Motive fort, die aktuell einfach funktionieren. Dynastien, Königreiche, Blutlinien und Prophezeiungen spielen eine zentrale Rolle – etwa in The Wolf and the Crown of Blood oder Crown of War and Shadow, die beide stark auf Machtkonflikte und politische Eskalation setzen. Gleichzeitig zeigt sich sehr deutlich, wie präsent Drachen weiterhin sind. Ob in The Dragon and the Sun Lotus, Dragon Cursed oder The Red Winter – dieses Motiv zieht sich durch den gesamten Markt. Für mich wirkt es so, als hätte der durch Fourth Wing angestoßene Drachen-Hype längst eine eigene Tiefe entwickelt und sei weit mehr als ein kurzfristiger Trend. Besonders spannend finde ich dabei die Verbindung mit asiatisch inspirierten Erzählweisen, die mit Titeln wie The Dragon and the Sun Lotus weiter an Sichtbarkeit gewinnen und sich ästhetisch wie thematisch deutlich vom westlichen Mainstream abheben.




Ganz persönlich freue ich mich vor allem auf Agnes Aubert’s Mystical Cat Shelter. Ich kann gar nicht genau sagen, warum mich dieses Buch so anspricht, aber es verkörpert genau diese leise, warme Form von Fantasy, die zwischen all den großen Konflikten einen besonderen Platz einnimmt. Ich hoffe sehr, dass dieser Titel seinen Weg in den deutschsprachigen Markt findet. Ähnlich gespannt bin ich auf Dragon Cursed von Elise Kova. Nach dem Erfolg von Arcana Academy bringe ich der Autorin großes Vertrauen entgegen und bin neugierig, ob sie mit diesem neuen Titel erneut überzeugen kann. Auch The Last Starborn Seer hat es mir besonders angetan – allein das Cover wirkt auf mich unglaublich stark, und ich wünsche mir sehr, dass dieses Buch übersetzt wird. Insgesamt entsteht für mich der Eindruck, dass viele dieser internationalen Titel das Potenzial haben, früher oder später auch im deutschen Markt anzukommen. Das Frühjahr 2026 fühlt sich deshalb weniger wie ein fernes Beobachten an, sondern wie ein vorsichtiges Vorausblicken auf Geschichten, die uns möglicherweise schon bald ganz nah sein werden.




Wenn ich beide Bereiche, den deutschsprachigen Markt und die internationalen Neuerscheinungen, nebeneinanderlege, entsteht für mich ein überraschend stimmiges Gesamtbild. Die Fantasy des Frühjahrs 2026 wirkt weder zerrissen noch überladen, sondern bewusst gesetzt. Bekannte Motive wie Drachen, Machtstrukturen, Akademien oder mythologische Ursprünge tauchen auf beiden Ebenen auf, werden jedoch unterschiedlich gewichtet und erzählt. Während der deutschsprachige Markt spürbar auf emotionale Bindung, ästhetische Geschlossenheit und langfristige Reihen setzt, zeigt der internationale Blick, wie stabil und zugleich wandelbar diese Motive inzwischen geworden sind. Für mich fühlt sich dieses Frühjahr deshalb weniger nach einem Moment des Umbruchs an als nach einer Zeit, in der Fantasy weiß, was sie kann, und Leser*innen genau darin abholt.
Gleichzeitig bleibt genug Raum für Neugier. Viele der internationalen Titel wirken wie Vorboten dessen, was uns möglicherweise bald auch im deutschen Markt begegnen wird, während die hiesigen Neuerscheinungen zeigen, wie eigenständig Fantasy hier inzwischen erzählt wird. Am Ende nehme ich aus beiden Perspektiven vor allem eines mit: eine große Lust, mich wieder auf Geschichten einzulassen, ohne sie sofort einordnen oder vergleichen zu müssen. Vielleicht ist genau das die Stärke dieses Frühjahrs – dass es Fantasy nicht neu erfinden will, sondern sie mit Ruhe, Vertrauen und spürbarer Leidenschaft weitererzählt.