Mollys Flug zum Mond – Duncan Beedie
„Das werden wir ja sehen!“ – manchmal reicht ein einziger Satz, um zu spüren, dass hier jemand größer träumt, als die Welt es ihm zutraut. In Mollys Flug zum Mond erzählt Duncan Beedie die Geschichte einer kleinen Motte, die sich nicht mit dem nächstbesten Licht zufriedengibt. Während andere Motten einfach dem Schein von Lampen folgen, richtet Molly ihren Blick auf das größte Licht am Himmel: den Mond. Ein Ziel, das in den Augen der anderen viel zu hoch, viel zu weit und vor allem viel zu unrealistisch erscheint. Als sie ihrer Mutter von ihrem Traum erzählt, begegnet sie eher Skepsis als Zuspruch. Zu klein sei sie, ihre Flügel zu schwach, der Mond unerreichbar. Und doch lässt Molly dieser Gedanke nicht los.
Zwischen dem Alltag, in dem sie ihrer Mutter hilft und auf ihre Geschwister aufpasst, wächst in ihr ein leiser, aber entschlossener Wille. Sie lernt unterwegs, dass nicht jede Lichtquelle der Mond ist, dass Irrwege dazugehören und dass Zweifel manchmal lauter sind als der eigene Mut. Immer wieder wird ihr gespiegelt, sie sei nur ein Winzling, nur eine kleine Motte in einer viel zu großen Welt. Gerade darin liegt die Stärke dieses Buches: Es greift auf kindgerechte Weise Erfahrungen auf, die weit über das Bilderbuch hinausreichen. Vorurteile, Begrenzungen, die Stimmen von außen, die sagen: „Das schaffst du nicht.“ Molly steht stellvertretend für all jene, denen wenig zugetraut wird.
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Das hier ist eine Glühbirne! Der Mond ist viel größer und viel weiter weg. Zu weit weg für einen Winzling wie dich.1
Beedie gelingt es mit einer klaren, reduzierten Sprache, große Themen wie Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen und Mut greifbar zu machen, ohne belehrend zu wirken. Die Botschaft entfaltet sich zwischen den Zeilen und in den ausdrucksstarken Illustrationen, die Wärme und Bewegung zugleich vermitteln. Besonders berührend ist, dass Molly nicht als furchtlose Heldin inszeniert wird. Sie zweifelt, sie hadert, sie fühlt sich klein – und fliegt trotzdem weiter. Genau darin liegt die eigentliche Größe dieser Geschichte: Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz der Angst an seinen Träumen festzuhalten.
Mollys Flug zum Mond ist damit weit mehr als ein hübsch illustriertes Kinderbuch. Es ist eine leise, aber kraftvolle Erinnerung daran, dass Träume nicht von der eigenen Größe abhängen. Ein Buch für Kinder, die sich manchmal zu klein fühlen – und für Erwachsene, die sich daran erinnern möchten, dass selbst eine kleine Motte den Blick zum Mond richten darf.
1 Breedie, D. (2019). Mollys Flug zum Mond (S. 8). Magellan.







