Geschichten unserer Kindheit – Bücher aus der DDR und der Welt

Geschichten unserer Kindheit – Bücher aus der DDR und der Welt

Meine Kindheit verbrachte ich in der ehemaligen DDR. Wenn ich heute daran denke, sehe ich nicht zuerst Straßen oder Wohnungen vor mir, sondern Buchseiten. Dünnes Papier, weich gelesen, Einbände, die sich irgendwann von selbst öffneten, weil man sie so oft in der Hand hatte. Diese Bücher standen nicht einfach im Regal. Sie gehörten zum Alltag. Man las sie langsam, blieb in ihnen, manchmal einen ganzen Nachmittag lang. Sie waren ruhig. Kinder liefen durch Wälder, saßen am Wasser, hörten Erwachsenen zu, die mehr schwiegen als erklärten. Hinter Freundschaft und Ferien lag oft noch etwas anderes. Vergangenheit, Geheimnisse, Fragen, auf die es keine schnellen Antworten gab.

Das System prägte die Literatur. Man spürte es in den Worten der Erwachsenenfiguren, in der Ordnung der Welt, in dem, was als richtig galt. Und doch entstand darin etwas Eigenes. Die Schriftsteller erzählten nicht laut. Sie schrieben vorsichtig und genau, oft zwischen den Zeilen. Vieles wurde nicht ausgesprochen, sondern angedeutet. Vielleicht wurden diese Bücher gerade deshalb so leise, weil das Entscheidende im Erleben lag und nicht in der Erklärung. Als Kind folgte man den Wegen durch den Wald oder den Tagen am Meer. Heute erkennt man, wie ernst man damals genommen wurde. Die Geschichten trauten einem zu, selbst zu denken. Sie gaben keine fertigen Antworten, sondern ließen Raum.

Viele dieser Bücher stehen noch immer in meinem Regal. Hin und wieder nehme ich eines heraus und lese ein paar Seiten. Und plötzlich ist alles wieder da. Nicht nur die Handlung, sondern die Stimmung, das eigene Denken von damals. Früher habe ich die Abenteuer gelesen. Heute lese ich die Zwischentöne.

Und was mich traurig macht ist, dass einiger dieser Titel heute kaum noch zu bekommen sind. Keine großen Neuauflagen, keine Stapel im Buchladen. Man findet sie nur noch mit Glück, im Antiquariat, auf Flohmärkten, in Kisten auf Dachböden. Gerade deshalb wirken sie für mich wie kleine Schätze. Die Zeit, in der sie entstanden sind, gehört dazu. Aber darunter liegt etwas, das nicht altert. Freundschaft, Angst, Neugier, das Gefühl, eine Welt selbst zu entdecken. Deshalb lohnt es sich, diese Bücher noch einmal zu lesen. Nicht aus Nostalgie, sondern weil sie zeigen, wie viel Literatur Kindern zutrauen kann. Sie begleiten einen nicht nur einmal. Sie wachsen mit. Und manchmal sind sie ein Stück Heimat.

Ich bin die Nele – Peter Brock

Nele ist ein starkes Mädchen. Sie lebt allein mit ihrem Vater, zieht in eine fremde Stadt und steht dort zunächst ohne Freunde da, nur ein kleiner Vogel begleitet sie. Da hilft es, dass ihre Fantasie keine Grenzen kennt. Sie erfindet sich Geschichten, in denen die Welt größer und freundlicher wird. Manche halten das für Spinnerei, doch Nele lässt sich davon nicht beirren. Doch Nele wäre nicht Nele, wenn sie mit dem Verlust der Mutter nicht auf ihre ganz eigene Weise umgehen würde. Mit ihrer Fantasie erlebt sie die unglaublichsten Dinge Ein wunderbares Kinderbuch für Kinder ab 9 Jahren.

Peter Brock (1916–1982)

Geboren als Rudolf Brock, war ein deutscher Kinder und Jugendbuchautor, der auch unter dem Namen Peter Korb veröffentlichte. Bekannt wurde er vor allem durch Gestatten – Oskar, aber auch Bücher wie Der kleine Kuno und Die Wunderbrille waren sehr beliebt. Der kleine Kuno wurde bereits 1959 von der DEFA verfilmt.

In vielen seiner Geschichten beschäftigte er sich mit Kindern im Alltag, ihrem Verhältnis zur Technik und den Veränderungen der modernen Zeit. Sein Buch Ich bin die Nele widmete er seiner Frau Rut Brock, später wurde es unter dem Titel Ein Sonntagskind, das manchmal spinnt verfilmt.

Alfons Zitterbacke – Gerhard Holtz-Baumert

Alfons gilt als echter Unglücksrabe, bei ihm läuft selten etwas wie geplant. Sein Wellensittich spricht nicht, apportiert nicht, sorgt dafür aber für reichlich Chaos in der Wohnung und am Ende ist natürlich Alfons der Schuldige. Mit einem Nachnamen wie Zitterbacke macht es das nicht leichter. Doch Alfons hält mehr aus, als man ihm zutraut. Und wir kennen das doch alle noch aus der Kindheit: Tage, an denen einfach alles schiefgeht, ganz gleich wie sehr man sich bemüht.

Gerhard Holtz-Baumert (1927–1996) 

War ein deutscher Schriftsteller. Bekannt wurde er vor allem durch seine Bücher über den zehnjährigen Alfons Zitterbacke (Alfons Zitterbacke 1958, Alfons Zitterbacke hat wieder Ärger 1962), die zu den beliebtesten Kinderbüchern der DDR gehörten.

Der tollpatschige Antiheld passte kaum zu den damaligen Vorbildern der Kinderliteratur. Statt gehorsam und vorbildlich zu sein, geriet Alfons ständig in Schwierigkeiten und stellte die Erwachsenenwelt mit Humor und Naivität auf den Kopf. Gerade diese Mischung aus Komik, Selbstironie und leiser Aufmüpfigkeit machte die Figur so besonders und bis heute erinnerungswürdig.

So ein Struwwelpeter – Hansgeorg Stengel

In „So ein Struwwelpeter“ standen die Streiche der Kinder und ihre Bestrafung im Mittelpunkt. Übertreibung gehörte dazu, ein bisschen Schaudern auch. Wir haben es gelesen, noch einmal gelesen und die Reime irgendwann auswendig gekonnt. Die Bilder waren nichts für zarte Gemüter und vielleicht genau deshalb so einprägsam. Heute schaut man mit einem kleinen Schmunzeln darauf zurück. Vieles würde man anders erklären, manches anders begleiten. Und doch war es ein Buch, das man kannte, über das man sprach und das irgendwie zu unserer Kindheit gehörte. Und letztendlich sollten Eltern selbst entscheiden, ob sie dieses Buch ihren Kindern geben möchten oder nicht. Bücher sind Begegnungen und jede Familie darf ihren eigenen Weg damit finden. Vielleicht ist der Struwwelpeter heute weniger ein Erziehungsbuch als ein Zeitdokument. Ein Blick darauf, wie man früher dachte und wie wir heute darüber sprechen. Und damit ein Teil unserer eigenen Geschichte.
»Der pädagogisch erhobene Zeigefinger reckt sich zwar aus jeder Seite, doch sparte Stengel nicht mit Witz.« Berliner Zeitung

Hansgeorg Stengel (1922–2003)

Arbeitete als  Journalist, Dichter und Satiriker. Anfang der 1950er Jahre zog er nach Ost Berlin und arbeitete zunächst als Redakteur bei der Satirezeitschrift Frischer Wind, die später unter dem Namen Eulenspiegel erschien. Bis 1959 war er dort als Redakteur für Sprache und Stil tätig, danach wirkte er als freier Autor.

Der brave Schüler Ottokar – Ottokar Domma

Ottokar hat es in der Schule nicht immer leicht. Vor allem dann nicht, wenn man zwölf Jahre alt ist und einen Namen trägt, der sofort auffällt. Als braver Schüler bemüht er sich, alles richtig zu machen, gerät aber gerade dadurch immer wieder in die seltsamsten Situationen. Mit Witz, Einfallsreichtum und einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein findet er dennoch seinen Weg durch den Schulalltag.

Otto Häuser (1924–2007),

Ist bekannt unter dem Namen Ottokar Domma, er war ein tschechisch deutscher Schriftsteller, Journalist und Kinderbuchautor. Berühmt wurde er durch seine satirischen Geschichten rund um den Schüler Ottokar, mit denen er den Schulalltag humorvoll und oft augenzwinkernd betrachtete.

Er arbeitete lange für die Satirezeitschrift Eulenspiegel, schrieb Kabaretttexte und veröffentlichte daneben auch pädagogische Artikel. Zur Ottokar Reihe erschienen später Sammelbände, Tonaufnahmen seiner Lesungen sowie 1976 der Kinofilm Ottokar der Weltverbesserer.

Quellen und Medienangaben: Wikipedia, Verlagsseiten und bibliografische Datenbanken

 

Wir waren Kinder, und zwischen den Seiten wurde die Welt größer.

Käuzchenkuhle – Horst Beseler

Zum 100. Geburtstag von Horst Beseler erschien der Jugendbuchklassiker in einer besonderen Jubiläumsausgabe neu. Eine Geschichte, die schon viele Generationen junger Leser gefesselt hat. Jean Paul, von allen nur Jampoll genannt, verbringt seine Ferien widerwillig im märkischen Dorf Wolfsruh bei seinen Großeltern. Was zunächst nach Langeweile klingt, verändert sich schlagartig, als er zufällig ein bedrohliches Gespräch mithört. Ein Fremder setzt seinen Großvater unter Druck. Zwischen den beiden liegt ein düsteres Geheimnis aus der Vergangenheit. Gemeinsam mit seinen Freunden Kristian, Schraube und Spinne Schnarr beginnt Jampoll nachzuforschen. Ihre Spur führt sie zu einem abgelegenen Ort im Wald, der Käuzchenkuhle. Dort stoßen sie auf ein Verbrechen, das bis in die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs zurückreicht. Ein spannender Roman über Freundschaft, Zusammenhalt und den Mut, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Ein Jugendbuch, das bis heute nichts von seiner Kraft verloren hat.

Horst Beseler (1925-2004)

Er verfasste Romane, Erzählungen, feuilletonistische Texte und Drehbücher, besonders für Kinder und Jugendliche. Sein bekanntestes Buch »Käuzchenkuhle« erschien 1965, wurde vielerorts Schullektüre und bereits wenige Jahre später verfilmt. Die Geschichte zählt bis heute zu den erfolgreichsten Jugendbüchern der DDR Literatur. Beseler war Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR und übernahm dort auch leitende Aufgaben. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Theodor Fontane Preis, die Erich Weinert Medaille, den Fritz Reuter Preis und den Nationalpreis der DDR für Kunst und Literatur.

Insel der Schwäne – Benno Pludra

Stefan muss sein vertrautes Dorf an der Alten Oder verlassen. Er lässt seine Großmutter zurück, seinen Freund Tasso, mit dem er ein Floß gebaut hat, und die Insel mit den Schwänen, die zu seinem Alltag gehörte. Mit seiner Mutter und der kleinen Schwester zieht er zum Vater nach Berlin in ein großes Hochhaus an der Spree. Zwischen Straßen, Treppenhäusern und fremden Gesichtern beginnt ein neuer Abschnitt. Stefan fragt sich, ob er hier Freundschaft finden kann, vielleicht in Hubert, und ob in dieser neuen Welt überhaupt noch Platz ist für das, was ihm einmal Heimat bedeutete.

Die Reise nach Sundevit – Benno Pludra

Timm, der Sohn des Leuchtturmwärters, verbringt viel Zeit allein. Umso größer ist seine Freude, als die Jungen und Mädchen vom Strand ihn einladen, sie auf ihrer Fahrt nach Sundevit zu begleiten. Doch bevor es losgehen kann, hat Timm noch Aufgaben zu erledigen. Er soll Heinrich Bradenkuhl die Brille bringen und übernimmt zusätzlich einen wichtigen Auftrag, den er nicht ausschlagen kann. Während die Zeit verrinnt, wächst seine Sorge, dass die anderen ohne ihn aufbrechen könnten.

Benno Pludra  (1925 -2014)

Er zählt zu den bedeutendsten Kinder und Jugendbuchautoren der DDR. Neben Insel der Schwäne schrieb er zahlreiche weitere erfolgreiche Bücher wie »Die Reise nach Sundevit«, »Siebenstorch« oder »Tambari«. Seine Geschichten erzählen ruhig und lebensnah vom Aufwachsen, von Freundschaft, Verantwortung und dem Verhältnis des Menschen zur Natur. Pludra war Mitglied des Schriftstellerverbandes und später des PEN Zentrums. Für sein Werk erhielt er viele Auszeichnungen, darunter den Nationalpreis der DDR und den Deutschen Jugendliteraturpreis. Auch sein Gesamtwerk wurde später besonders geehrt.

Moritz in der Litfaßsäule – Christa Kożik

Der neunjährige Moritz nimmt sich Zeit für seine Gedanken und gerät damit ständig in Konflikt mit seiner Familie, die es immer eilig hat. Seine Ruhe und Neugier stoßen auf wenig Verständnis, doch Moritz ist überzeugt, dass es in der Welt Platz geben muss für Kinder, die alles genau begreifen wollen. Schließlich fasst er einen Entschluss und zieht aus, um sein eigenes Glück zu suchen. Unterschlupf findet er ausgerechnet in einer Litfaßsäule. Auf seinem ungewöhnlichen Weg wird er begleitet von einer sprechenden Katze, einem Zirkusmädchen und einem Straßenfeger, mit denen er ein ganz eigenes Abenteuer erlebt.

Christa Kożik (1941*)

Autorin und Drehbuchschreiberin mit einem besonderen Blick für kindliche Fantasie. Auch »Moritz in der Litfaßsäule« fand seinen Weg auf die Leinwand. Lyrikerin, Schriftstellerin und eine der erfolgreichsten Kinderfilmautorinnen der DEFA. In ihren Geschichten verbindet sie Fantasie mit Ernsthaftigkeit und nimmt die Gedanken und Gefühle von Kindern stets auf Augenhöhe ernst. Ihre Werke zeigen, wie außergewöhnlich das Alltägliche werden kann, wenn man es mit Neugier betrachtet. Sie ist die Großmutter des Schauspielers und Musikers Christoph Kożik, der durch die Kinder- und Jugendserie Schloss Einstein in den frühen 2000ern bekannt wurde.

Quellen und Medienangaben: Wikipedia, Verlagsseiten und bibliografische Datenbanken

Die Buchreihe »Die Söhne der Großen Bärin«, Liselotte Welskopf Henrich, begleitet Harka und sein Volk durch eine Zeit des Umbruchs. Die Welt der Prärie verändert sich, vertraute Wege verschwinden, Entscheidungen werden schwerer. Es geht um Freundschaft, Loyalität, Verantwortung und darum, den eigenen Platz zu finden, während sich alles verschiebt. Nicht das Abenteuer steht im Mittelpunkt, sondern das Erwachsenwerden in einer unsicheren Zeit. Lernen zuzuhören, die Zeichen der Natur zu verstehen, richtig zu handeln, auch wenn es keinen einfachen Weg gibt. Jede Begegnung hinterlässt Spuren und Schritt für Schritt wächst aus dem Jungen ein Mensch, der tragen muss, was größer ist als er selbst. Eine ruhige, ernste Geschichte über Würde, Zusammenhalt und den Versuch, die eigene Identität zu bewahren, wenn die Welt sich verändert.

„Das Wissen um andere Völker, ihre Geschichte und Kultur, ihr Dasein und Sterben,
sollte das wichtigste im Weltunterricht sein.“

Liselotte Welskopf Henrich

Diese Bücher standen nicht einfach im Regal. Sie warteten. Und jedes Mal, wenn ich eines herauszog, wurde es still um mich herum. Ich habe sie nicht nur gelesen, ich bin in ihnen verschwunden. Das Zimmer, die Wände, der Nachmittag, alles trat zurück. Übrig blieb die Weite. Gras, das sich im Wind bewegt, ein Himmel ohne Ende, ein Fluss, der leise durch die Landschaft zieht. Ich lief mit, hörte zu, lernte sehen.

Als Kind verstand ich die Welt darin auf eine ganz unmittelbare Weise. Achtung vor dem Leben, vor Tieren, vor Menschen, die mit der Natur leben statt gegen sie. Freundschaft, Mut, Verlust, Würde. Es waren keine lauten Abenteuer, sondern Geschichten, die sich ruhig in mir festsetzten und dort blieben. Und manchmal war da dieses Gefühl, das ich nie erklären konnte. Dass ich nicht nur eine Leserin war. Dass irgendwo ein Teil von mir mit am Feuer saß, aufmerksam lauschte, die Zeichen der Landschaft verstand und wusste, wann man schweigen muss. Vielleicht war ich kein Kind der Dakota. Aber in meiner Vorstellung durfte ich es sein. Und dieses Gefühl von Weite und Zugehörigkeit hat mich nie wieder ganz verlassen. Darum greife ich heute noch danach. Nicht aus Nostalgie allein, sondern weil sie etwas bewahrt haben, das man später im Leben selten wiederfindet. Ruhe, Erdung und das leise Wissen, dass Geschichten uns prägen können, lange bevor wir es begreifen.

Liselotte Welskopf Henrich (1901-1979) war Schriftstellerin und Historikerin. Während der Zeit des Nationalsozialismus beteiligte sie sich am Widerstand. Mit Die Söhne der Großen Bärin schuf sie 1951 einen der prägendsten Indianerromane, den sie später zu einem sechsteiligen Werk ausbaute. Ihre Bücher entstanden nicht aus reiner Vorstellung, sondern aus Begegnungen und Erfahrungen in Nordamerika. Auch deshalb verlieh ihr der Stamm der Oglala den Ehrennamen Lakota Tashina, Schutzdecke der Lakota. Sie war zugleich Professorin für Alte Geschichte an der  Berliner Humboldt-Universität und international anerkannt, als Wissenschaftlerin wie als Erzählerin. Die Stammesgruppe der Oglala verlieh ihr für ihre tatkräftige Unterstützung des Freiheitskampfes der nordamerikanischen Indianer den Ehren-Stammesnamen Lakota-Tashina, »Schutzdecke der Lakota«.

Timur und sein Trupp – Arkadi Gaidar

Der vierzehnjährige Timur Garajew führt mit seinen Freunden heimlich gute Taten aus. Sie helfen Familien von Frontsoldaten und unterstützen besonders die Frauen und Witwen im Ort. Doch nicht alle sind begeistert von ihrem Einsatz, eine andere Jungenbande treibt Unfug und macht ihnen das Leben schwer. Als die dreizehnjährige Shenja ihre Ferien dort verbringt, gerät einiges durcheinander, zugleich entstehen neue Freundschaften und gemeinsame Abenteuer.

»Timur und sein Trupp« war bei uns Pflichtlektüre. Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir das Buch in der Schule lesen mussten. Es gehörte einfach dazu, so wie viele Geschichten, die die deutsch sowjetische Freundschaft betonen sollten. Im Unterricht sprachen wir über Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und Solidarität. Timur und seine Freunde standen für Verantwortung und Gemeinschaftssinn, Werte, die uns nahegebracht werden sollten. Damals war das selbstverständlich Teil des Lehrplans. Und trotzdem blieb nicht nur die Botschaft im Kopf, sondern auch das Gefühl von Freundschaft und Abenteuer. Zwischen Pflichtlektüre und Idealen erzählte das Buch eben auch von Mut, Zusammenhalt und davon, dass junge Menschen etwas bewegen können.

Arkadi Gaidar (1904–1941)

Geboren unter dem  bürgerlichem Namen Arkadi Petrowitsch Golikow, war selbst Teil des sowjetischen Mythos. Er diente als Kommandeur in der Roten Armee, wurde früh verwundet, später Schriftsteller und fiel schließlich im Zweiten Weltkrieg. In der Sowjetunion wurde er zur Legendenfigur stilisiert und sein Timur zu einer Art pädagogischem Vorzeigehelden, der auch über die Landesgrenzen hinaus verbreitet wurde. »Timur und sein Trupp« war sein bekanntestes Werk. Viele seiner Romane wurde verfilmt.

Hirsch Heinrich –  Fred Rodrian (Autor) und Werner Klemke (Illustration)

Hirsch Heinrich lebt zunächst in einem Wald in China und kommt später in einen deutschen Tierpark. Dort wird er freundlich aufgenommen und gewöhnt sich langsam ein. Doch als der Winter kommt und es stiller wird, überfällt ihn das Heimweh. Schließlich springt er über das Gehege und macht sich auf die lange Reise zurück in seine Heimat.

Ein wunderbarer Kinderklassiker, auch wenn wir ihn heute vielleicht mit anderen Augen lesen. Zeiten ändern sich, doch der Kern bleibt: die Sehnsucht nach Zuhause, das Gefühl von Vertrautheit und die Frage, wohin man wirklich gehört. Gerade darin liegt seine Stärke, denn hinter der einfachen Geschichte verbirgt sich etwas sehr Menschliches, das auch nach vielen Jahren noch verstanden wird.

Fred Rodrian (1926–1985)

Nach Kriegseinsatz und Gefangenschaft arbeitete er ab 1946 kulturpolitisch für die FDJ. Später wurde er Lektor, anschließend Cheflektor beim Kinderbuchverlag Berlin und leitete den Verlag schließlich ab 1975 als Direktor. Neben seiner Verlagsarbeit schrieb er seit den späten 1950er Jahren selbst Kinderbücher, die unter anderem von Werner Klemke illustriert und auch in Westdeutschland veröffentlicht wurden. Außerdem verfasste er Drehbücher, etwa für den DEFA Märchenfilm Das Feuerzeug. Rodrian war zudem korrespondierendes Mitglied der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR.

Werner Klemke (1917–1994) 

Er war einer der bedeutendsten Buchgestalter und Illustratoren der DDR sowie Hochschullehrer in Berlin. Mit seinem unverwechselbaren, detailreichen Zeichenstil prägte er über Jahrzehnte das Erscheinungsbild vieler Kinderbücher. Er war Mitbegründer der bibliophilen Pirckheimer Gesellschaft, Mitglied der Akademie der Künste der DDR und an zahlreichen Ausstellungen beteiligt. Nach einem Schlaganfall in den 1980er Jahren musste er seine künstlerische Arbeit beenden. Sein Nachlass befindet sich heute im Klingspor Museum für Buch und Schriftkunst.

 

Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm – Jacob und Wilhelm Grimm

Die »Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm« gehören zu den bekanntesten Märchensammlungen überhaupt. Jacob und Wilhelm Grimm sammelten Anfang des 19. Jahrhunderts alte Volksgeschichten, die zuvor meist nur mündlich weitererzählt wurden. Sie wollten diese Erzähltradition bewahren und für kommende Generationen festhalten. Darin finden sich heute weltberühmte Märchen wie Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, Dornröschen oder Schneewittchen. Viele Geschichten waren ursprünglich deutlich rauer und düsterer, wurden aber im Laufe der Zeit immer wieder überarbeitet, damit sie besser für Kinder geeignet waren. Trotzdem spürt man bis heute den ursprünglichen Kern. Die Märchen handeln von Angst und Mut, Verlust und Hoffnung, Gut und Böse. Sie erklären nicht, sie zeigen. Vielleicht sind sie gerade deshalb so zeitlos geblieben, weil sie weniger belehren als Bilder im Kopf entstehen lassen.

Jacob Grimm (1785–1863) – Wilhelm Grimm (1786–1859)

Jacob und Wilhelm Grimm waren keine klassischen Märchenerzähler, sondern eigentlich Sprachwissenschaftler. Anfang des 19. Jahrhunderts begannen sie, alte Volksgeschichten zu sammeln, weil sie befürchteten, dass diese mit der Zeit verloren gehen könnten. Sie reisten nicht selbst durch die Dörfer, sondern ließen sich die Geschichten von Bekannten, Freunden und Erzählerinnen berichten und schrieben sie auf. Dabei wollten sie nicht nur unterhalten. Für sie waren Märchen ein Teil der Kultur und Sprache eines Volkes. Deshalb arbeiteten sie die Texte immer wieder um, ordneten sie sprachlich und machten sie verständlicher. Erst nach und nach wurden die Geschichten kindgerechter, während die ersten Fassungen deutlich rauer waren. Neben den Märchen beschäftigten sie sich intensiv mit Sprache. Sie arbeiteten am ersten großen deutschen Wörterbuch und legten wichtige Grundlagen für die Germanistik. Heute erinnert man sich vor allem an ihre Märchen, doch ihr eigentliches Ziel war es, Erinnerung zu bewahren und Tradition weiterzugeben.

Lütt Matten und die weiße Muschel – Benno Pludra

Benno Pludras märchenhaftes Werk »Lütt Matten und die weiße Muschel« ist auch für Erwachsene lesenswert. Im Mittelpunkt steht Lütts Wunsch nach Anerkennung und Aufmerksamkeit seines Vaters. Die Geschichte steuert beinahe auf eine Katastrophe zu, doch am Ende rettet der Vater seinen Sohn und erkennt seine Verantwortung. Eine eindrucksvolle, spannende Erzählung für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Ein tolles Kinderbuch für Kinder ab 8 Jahren. Auch hier übernahm Werner Klemke die Illustration zum Kinderbuchklassiker.

 

Benno Pludra  (1925 -2014)

Er zählt zu den bedeutendsten Kinder und Jugendbuchautoren der DDR. Neben Insel der Schwäne schrieb er zahlreiche weitere erfolgreiche Bücher wie »Die Reise nach Sundevit«, »Siebenstorch« oder »Tambari«. Seine Geschichten erzählen ruhig und lebensnah vom Aufwachsen, von Freundschaft, Verantwortung und dem Verhältnis des Menschen zur Natur. Pludra war Mitglied des Schriftstellerverbandes und später des PEN Zentrums. Für sein Werk erhielt er viele Auszeichnungen, darunter den Nationalpreis der DDR und den Deutschen Jugendliteraturpreis. Auch sein Gesamtwerk wurde später besonders geehrt.

Quellen und Medienangaben: Wikipedia, Verlagsseiten und bibliografische Datenbanken

Kinderbuchverlag Berlin

Der Kinderbuchverlag Berlin wurde 1949 in Ost-Berlin gegründet und entwickelte sich zum zentralen Verlag für Kinderliteratur in der DDR. Das Programm umfasste Bilderbücher, Kinder- und Jugendromane, Lyrik, Märchen- und Sagensammlungen sowie Kinderlexika. Mitte der 1970er Jahre vergab der Verlag Förderpreise an Autoren und Grafiker. Von 1949 bis 1975 leitete Günther Schmidt den Verlag. Zwischen 1954 und 1960 erschien zudem die Kinderzeitschrift Unser Robinson.

Im Laufe der Jahre kam es zu mehreren Zusammenschlüssen, unter anderem 1963 mit dem Alfred Holz Verlag und 1975 mit dem Karl Nitzsche Verlag. Nach der Wiedervereinigung wurde der Verlag in eine GmbH umgewandelt und stark verkleinert. Ein späterer Zusammenschluss führte zum LeiV Leipziger Kinderbuchverlag. 1992 wurde der Verlag an die Meisinger-Verlagsgruppe verkauft, 2002 übernahm Beltz & Gelberg das Programm. Seither werden immer wieder klassische DDR-Titel neu aufgelegt und um bisher unveröffentlichte Werke ergänzt.

Verlag Neues Leben

Der 1946 gegründete Verlag Neues Leben war einer der bedeutendsten Jugendbuchverlage der DDR. Er veröffentlichte vor allem belletristische Literatur sowie Jugendzeitschriften und Zeitungen und gehörte zu den größten Verlagen des Landes.

Heute ist er Teil der Eulenspiegel Verlagsgruppe und steht vor allem für Sachbücher und Biografien aus den Bereichen Musik, Sport, Politik, Film und Theater. Der ursprüngliche Sitz befand sich am Berliner Gendarmenmarkt, heute arbeitet die Verlagsgruppe in Berlin-Mitte.

Altberliner Verlag

Der Altberliner Verlag war ein privates Verlagshaus in Berlin-Mitte und erhielt im Februar 1947 seine vollständige Lizenz. Erste große Erfolge erzielte er mit illustrierten Ausgaben der Märchen der Brüder Grimm. Zu den bekanntesten Veröffentlichungen gehörte später der Roman Die Söhne der großen Bärin, dessen vollständige sechsbändige Fassung Anfang der 1970er Jahre erschien.

Nach der Wende wurde der Verlag aus Parteivermögen verkauft und mehrfach weiterveräußert. Zwischen 1993 und 2003 erschienen noch Werke verschiedener Autoren, doch 2003 musste Insolvenz angemeldet werden und die Taschenbuchrechte gingen an den dtv Verlag. Ein letzter Neustartversuch folgte 2005, bevor der Verlag 2008 endgültig im Insolvenzverfahren endete.

  • Quelle: https://www.ddr-museum.de/de/objects/1018808
  • Söhne der Großen Bärin , Erstauflage erschien im Altberliner Verlag 1950/51 – bis ca. 1962 ff.
    Zwischendurch erschienen die Bücher im Ravensburger Verlag ca. 1983, Die Neuauflagen sind jetzt beim Palisander Verlag  erschienen 

Am Ende bleibt mehr als eine Liste von Titeln. Diese Bücher erzählen nicht nur Geschichten von Kindern, sondern auch von einer Zeit. Manche entstanden unter Vorgaben, andere zwischen den Zeilen, viele einfach aus dem Wunsch heraus, jungen Lesern etwas mitzugeben. Und doch haben sie Generationen begleitet, geprägt und bis heute nicht ganz losgelassen. Vielleicht liest man sie heute anders. Aufmerksamer, ruhiger, mit Abstand. Aber genau darin liegt ihr Wert. Sie zeigen, wie Kindheit damals erzählt wurde und wie viel davon noch immer verstanden werden kann.

Kinderbücher aus dieser Zeit sind keine perfekten Erinnerungen, sondern echte. Und gerade deshalb lohnt es sich, sie wieder aufzuschlagen. Nicht um zurückzugehen, sondern um zu verstehen, woher unsere Lesegeschichten kommen. Vielleicht gibt es unter euch Leser, die sich erinnern, als wir Kinder der DDR waren. Heute leben wir in einem geeinten Deutschland. Als 1989 die Mauer fiel, änderte sich vieles und manches brauchte Zeit, um zusammenzuwachsen. Doch gerade in den Geschichten merkt man, wie nah wir uns immer schon waren. Kindheit fühlte sich auf beiden Seiten ähnlich an, nur die Bücher im Regal waren andere.
Und vielleicht ist genau das das Schöne daran, dass wir heute nicht mehr trennen müssen, sondern einander kennenlernen dürfen. Doch die Erinnerungen sind geblieben, leise und warm zwischen den Seiten. Und vielleicht lächeln wir gerade deshalb beim Lesen, weil wir darin nicht nur Geschichten finden, sondern ein Stück unseres eigenen Weges.

 

Wir sind weitergegangen, doch die Geschichten sind geblieben.

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