Homesick

Erzählungen

  • Titel: Homesick
  • Autor/in: Silvia Saunders
  • Verlag: Pola
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Genre: Romane & Erzählungen
  • Tropes: Finding Myself | New Chapter
  • Seiten: 512

Homesick – Silvia Saunders

Eine eigene Wohnung in London sollte sich für Mara wie der Beginn ihres erwachsenen Lebens anfühlen. Durch eine unerwartete Erbschaft kann sie sich diesen Wunsch bereits mit Mitte zwanzig erfüllen. Doch aus dem geplanten gemeinsamen Zuhause mit Tom wird nichts. Er möchte in seine Heimat zurückkehren, näher zu seiner Familie und seinen Freunden, während Mara sich dort keine Zukunft vorstellen kann. Die beiden entscheiden sich für eine Fernbeziehung. Was zunächst wie ein vernünftiger Kompromiss wirkt, verändert ihren Alltag und ihre Beziehung jedoch schleichend. Während Tom in sein vertrautes Umfeld zurückkehrt, beginnt Mara in London ein Leben aufzubauen, das immer stärker ihr eigenes wird.

Homesick liest sich zunächst leicht und beinahe unbeschwert, entwickelt jedoch nach und nach eine emotionale Tiefe, die mich überrascht hat. Der zugängliche und flüssige Schreibstil macht es leicht, in Maras neuen Alltag einzutauchen. Zugleich besitzt die Geschichte genügend Sensibilität, um auch die leisen Gefühle und unausgesprochenen Konflikte greifbar zu machen. Dadurch entsteht eine besondere Nähe zu Mara, die den gesamten Roman trägt.

Zu Hause ist da, wo derjenige lebt, den man liebt.1

 

Ihre Gedanken, Unsicherheiten und Reaktionen wirken authentisch, ohne unnötig dramatisiert zu werden. Gerade im Umgang mit ihrem Umfeld wird deutlich, wie sehr Mara darum kämpft, ernst genommen zu werden und ihren eigenen Platz zu finden. Im Zentrum steht dabei ihre Beziehung zu Tom, die von Beginn an eine gewisse Schwere besitzt. Seine Depressionen werden nicht lediglich als Randthema eingesetzt, sondern beeinflussen seinen Alltag und die Verbindung der beiden spürbar. Auch das schwierige Verhältnis zu seiner Mutter und ihre wiederholten Grenzüberschreitungen belasten die Beziehung zusätzlich. Lange bleibt die Hoffnung bestehen, dass Mara und Tom trotz der Entfernung einen gemeinsamen Weg finden können. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto deutlicher zeigt sich jedoch, dass Gefühle allein nicht jede unterschiedliche Lebensvorstellung ausgleichen können.

Besonders im letzten Teil wird Maras Entwicklung sichtbar. Sie beginnt, ihre eigenen Bedürfnisse ernster zu nehmen, Grenzen zu setzen und sich nicht länger ausschließlich danach zu richten, was andere von ihr erwarten. Dieser Prozess wirkt weder überstürzt noch konstruiert, sondern ergibt sich glaubwürdig aus ihren Erfahrungen. Auch die Veränderungen in ihrem beruflichen Umfeld unterstützen diese Entwicklung und geben ihr den nötigen Impuls, sich neu zu orientieren. Schritt für Schritt entsteht das Bild einer jungen Frau, die nicht mehr nur darauf wartet, dass ihr Leben eine klare Richtung erhält, sondern selbst entscheidet, wie es weitergehen soll.

Am Ende ist Homesick weit mehr als eine Liebesgeschichte. Der Roman erzählt vom Erwachsenwerden, von Selbstfindung und von der schmerzhaften Erkenntnis, dass zwei Menschen sich lieben und dennoch unterschiedliche Wege brauchen können. Gerade diese ruhige Ehrlichkeit verleiht der Geschichte ihre besondere Wirkung und lässt sie noch lange nachhallen.

1 Saunders, S. (2026). Homesick (S. 266). Pola.

 

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