Wie groß muss eine Geschichte sein, damit ein Kind darin etwas über sich selbst entdeckt? Oft genügt ein Blatt, das im Herbstwind tanzt, eine Hummel mit einem eigenen Weg oder eine Mücke, deren Traum jede vernünftige Größenordnung sprengt. Bilderbücher brauchen keine weiten Welten, um etwas Bedeutendes zu erzählen. Sie finden das Große im Kleinen und geben ihm eine Sprache.
Die Neuerscheinungen von Juli bis September 2026 betrachten Kindheit nicht als Wartezimmer des Erwachsenseins. Sie erzählen von einem Alter, in dem Gefühle noch ungefiltert auf die Welt treffen und eine einzige Entdeckung den ganzen Tag verändern kann. Ein Bärenkind sucht Gewissheit in der Liebe seiner Eltern. Mini erkennt, dass eine gute Absicht noch lange keine aufmerksame Begegnung bedeutet. Keine dieser Fragen wird als etwas behandelt, das sich irgendwann von selbst auswächst.
Unsere Auswahl für Kinder von drei bis sechs Jahren bewahrt diese Ernsthaftigkeit und bleibt dennoch verspielt. Die Geschichten schaffen Raum für ungewöhnliche Träume, schwere Herzen und vorsichtige Schritte. Vor allem vertrauen sie ihrem jungen Publikum. Darauf, dass Kinder verstehen können, ohne alles erklärt zu bekommen, und wachsen dürfen, ohne zuerst jemand anderes werden zu müssen.
Für Kinder ist die Welt nicht kleiner. Sie ist nur an jedem Tag ein wenig neuer.
Fogandbooks

Holly Hummelheldin – Vanessa Lock
Auf Hummelshöh beginnt die Nacht erst, wenn Oma ihre Geschichte erzählt hat. Die Kaninchenkinder liegen längst unter ihren Decken, doch ohne ein neues Abenteuer von Holly Hummelheldin ist an Schlaf nicht zu denken. Sobald Oma zu erzählen beginnt, öffnet sich für sie eine Welt, in der selbst ein vertrauter Abend voller Wunder steckt. Im Mittelpunkt steht Holly, eine Hummel, die nicht fliegen kann. Was zunächst wie eine unüberwindbare Grenze wirkt, bestimmt jedoch nicht darüber, was sie sich zutraut. Holly begegnet ihrer Umwelt aufmerksam, findet eigene Lösungen und lässt sich von einem hoffnungsvollen Gedanken leiten. Was ist, wenn es klappt? Diese Frage macht Kindern Mut, ohne die Geschichte in eine große Lektion zu verwandeln.
Holly Hummelheldin verbindet eine behagliche Einschlafsituation mit einer warmherzigen Erzählung über Selbstvertrauen. Angelina Borgwardts sanfte, naturverbundene Bilder geben Hollys Welt eine besondere Ruhe und laden dazu ein, auf jeder Seite neue kleine Wunder zu entdecken. So entsteht ein Bilderbuch, das Geborgenheit schenkt und zugleich daran erinnert, dass Stärke viele Formen haben kann.
Vanessa Lock ist unter dem Namen Vanezia Blum als Content Creatorin, Unternehmerin und Autorin bekannt. Bereits seit 2013 teilt sie online Einblicke in ihr Leben und ihre Arbeit. Einen wichtigen Platz nehmen dabei ihre Familie und die Erfahrungen als Mutter von zwei Kindern ein. Besonders die Krankheitsgeschichte ihrer Tochter Leni hat sie nachhaltig geprägt. Davon erzählt sie auch in ihrem 2024 erschienenen autobiografischen Buch Liebe Leni, du bist ein Wunder. Mit Holly Hummelheldin, das gemeinsam mit Annika Klee entstand, veröffentlicht Vanessa Lock ihr erstes Kinderbuch.
Annika Klee ist das Pseudonym der 1985 in Mainz geborenen Autorin Annika Kemmeter. Als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes führte ihr Studium der Literaturwissenschaft, Psychologie und französischen Sprache sie von München über Paris bis nach Fukuoka. Heute lebt sie mit ihren vier Kindern wieder in Mainz und schreibt Lyrik sowie Prosa für junge Leserinnen und Leser. Ihr Bilderbuch Das wunderbarste Wesen der Welt wurde 2022 für den Deutschen Kinderbuchpreis nominiert. In ihren Geschichten möchte sie Kindern Figuren schenken, in denen sie sich selbst erkennen können. Den Text zu Holly Hummelheldin entwickelte sie gemeinsam mit Vanessa Lock.
Angelina Borgwardt wurde 1987 in Berlin geboren und lebt heute mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Rheinland-Pfalz. Schon als Kind zeichnete und malte sie mit großer Begeisterung. Dabei probierte sie immer wieder neue Farben und Materialien aus. Der Wunsch, eines Tages selbst ein Kinderbuch zu gestalten, führte sie schließlich in die Selbstständigkeit als Illustratorin. Inzwischen finden sich ihre liebevoll als „Kritzeleien“ bezeichneten Arbeiten in zahlreichen Kinderbüchern und auf unterschiedlichen Produkten. Für Holly Hummelheldin erschafft sie eine sanfte Naturwelt, deren ruhige Farbgebung wunderbar zur Geborgenheit der abendlichen Geschichte passt.
Edward von Stechowsky – Moritz Neumeier
Eine Mücke, die nicht stechen möchte, sorgt in ihrem Schwarm für reichlich Unverständnis. Edward von Stechowsky weiß jedoch genau, dass das übliche Mückenleben nicht zu ihm passt. Während seine Artgenossen ihn für verrückt erklären, hält er unbeirrt an dem Wunsch fest, seinen ganz eigenen Weg zu finden. Eine Werbung für ein Elefantenhaus bringt ihn schließlich auf eine außergewöhnliche Idee. Edward schmuggelt sich in ein Auto und reist einem Ziel entgegen, das für eine winzige Mücke kaum größer sein könnte. Was er sich dort erhofft, bleibt zunächst sein Geheimnis und macht seine Reise umso herrlich skurriler.
Moritz Neumeiers freche Reime und Timo Zetts ausdrucksstarke Illustrationen spielen mit dem gewaltigen Unterschied zwischen einem kleinen Insekt und seinem großen Traum. Unter dem Humor steckt eine ermutigende Geschichte über das Anderssein und den Mut, den eigenen Vorstellungen zu vertrauen. Das Bilderbuch für Kinder ab fünf Jahren zeigt, dass ein ungewöhnlicher Wunsch nicht falsch sein muss, nur weil ihn sonst niemand versteht.
Moritz Neumeier ist Stand-up-Comedian, Autor und Moderator. Mit seinem direkten und zugleich persönlichen Humor spricht er über gesellschaftliche Themen, den Familienalltag und die Herausforderungen des Vaterseins. Als Vater von drei Kindern kennt er die großen Fragen und kleinen Absurditäten des Zusammenlebens aus eigener Erfahrung. Auch in seinen Kinderbüchern verbindet er humorvolle Einfälle mit Themen, die Kinder ernst nehmen und Erwachsene ebenso erreichen. Gemeinsam mit Timo Zett entwickelt er Geschichten, die sich nicht davor scheuen, ein wenig schräg zu sein.
Timo Zett wurde 1985 geboren und arbeitet in Hamburg als selbstständiger Illustrator und Grafikdesigner. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit Urban Sketching und Graphic Recording. Seine Zeichnungen entstanden unter anderem für die Magazine GEO und DER SPIEGEL. Als Art Director ist er für den Hamburger Poetry-Slam-Veranstalter Kampf der Künste tätig. Im Jahr 2019 veröffentlichte er mit Sketching Hamburg ein gezeichnetes Tagebuch über seine Heimatstadt. Für Edward von Stechowsky verleiht er der kleinen Mücke einen ebenso eigenwilligen wie unverwechselbaren Auftritt.


Frida malt Freude – Julia Heinrich
Ein leeres Blatt kann ganz schön einschüchternd sein, wenn im Kopf bereits die Frage auftaucht, ob das eigene Bild am Ende auch richtig aussehen wird. Frida entdeckt jedoch, dass Kunst keine feste Lösung verlangt. Ihre Farben dürfen laut werden, Linien ihre Richtung verändern und selbst Gefühle eine sichtbare Form annehmen. Entscheidend ist nicht das perfekte Ergebnis, sondern das, was beim Malen entstehen möchte. Nach der einfühlsamen Geschichte gibt das Buch den Pinsel an seine jungen Leserinnen und Leser weiter. Einfache Kreativprojekte laden dazu ein, eigene Ideen auszuprobieren und dabei spielerisch einen persönlichen Ausdruck zu entwickeln. Weil dafür nur wenige Materialien benötigt werden, lassen sich die Anregungen unkompliziert zu Hause, im Kindergarten oder in der pädagogischen Arbeit umsetzen.
Frida malt Freude verbindet kreatives Gestalten mit einem behutsamen Blick auf die kindliche Gefühlswelt. Das Buch zeigt Kindern ab vier Jahren, dass Kunst eine Sprache sein kann, wenn Worte fehlen oder ein Gefühl noch keinen Namen hat. So stärkt es das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und macht deutlich, dass ein Bild besonders wertvoll ist, weil niemand anderes es genauso gestalten würde.
Julia Heinrich begann 2003 ihr Studium des Kommunikationsdesigns in Würzburg und blieb der Stadt auch nach ihrem Diplom treu. Seit 2009 arbeitet sie selbstständig als Illustratorin und Grafikerin. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie das kreative Familienlabel Mit Herz & Heinrich sowie einen kleinen Atelierladen, in dem ihre selbst gestalteten Produkte angeboten werden und regelmäßig Workshops stattfinden. Ihre Illustrationen entstehen mit viel Liebe zu sanften Farben und verspielten Einzelheiten. Zugleich legt sie Wert auf nachhaltige Materialien, regionale Herstellung und soziales Engagement. Julia Heinrich lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen im Würzburger Umland. Für Frida malt Freude entwickelte sie die Geschichte, die Illustrationen und die kreativen Anregungen selbst.
Ganz bestimmt Bärenkind – Agi Ofner
Geliebt zu werden fühlt sich leicht an, solange alles fröhlich und unbeschwert ist. Doch das kleine Bärenkind möchte wissen, ob die Liebe seiner Eltern auch an jenen Tagen bleibt, an denen es wild durch die Welt stürmt oder Angst sein Herz erfüllt. Selbst wenn es traurig ist und sich gar nicht richtig erklären kann, braucht es die Gewissheit, noch immer genau richtig zu sein. Auf jede seiner Fragen erhält das Bärenkind eine Antwort, die Sicherheit schenkt. Seine Eltern zeigen ihm, dass Liebe nicht davon abhängt, wie es sich verhält oder welches Gefühl gerade besonders groß erscheint. Sie bleibt auch dann bestehen, wenn ein Tag schwierig ist und das Kind mehr Trost als fröhliche Worte benötigt.
Die wiederkehrenden Reime verleihen der Geschichte einen vertrauten Rhythmus und machen ihre zentrale Botschaft bereits für Kinder ab drei Jahren verständlich. Agi Ofners analoge Illustrationen begleiten das Bärenkind behutsam durch seine Gefühlswelt und laden dazu ein, gemeinsam über Unsicherheit und Geborgenheit zu sprechen. Ein zärtliches Bilderbuch, das Kindern versichert, dass jedes Gefühl seinen Platz haben darf und Liebe nicht plötzlich verschwindet.
Agi Ofner wurde 1989 geboren und wuchs in der Steiermark auf. Nach ihrem Studium der Sprachen und des Grafikdesigns in Wien machte sie ihre Leidenschaft für Geschichten zum Beruf. Heute lebt die österreichische Autorin und Illustratorin mit ihrer Familie auf dem Land in der Nähe von Graz. Ihre Bilder gestaltet sie überwiegend analog mit Stift, Pinsel und Papier. Inspiration findet sie in der Natur, in gesellschaftlichen Fragen und in den unscheinbaren Augenblicken des Alltags. Für ihre Arbeiten wurde Agi Ofner 2020 und 2026 mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Auch Ganz bestimmt, Bärenkind erhielt bereits besondere Anerkennung und gewann 2025 beim Bilderbuchillustrationspreis „Der Meefisch“ die Stimmen der Fachjury, der Kinderjury und des Publikums.


Blätter, Blätter, Blätter – Lisa Gastager
Sobald der Herbst den Wald bunt färbt, verwandelt sich für den kleinen Bären Bo jeder Weg in einen besonderen Fundort. Überall entdeckt er Blätter, die für ihn weit mehr als welkes Laub sind. Gemeinsam mit seinen Freunden lässt er daraus neue Spiele entstehen und genießt jeden raschelnden Augenblick ihrer Blätterzeit. Doch mit dem Winter rückt auch der Abschied von den geliebten Fundstücken näher. Bo möchte sich damit nicht einfach abfinden und entwickelt einen Traum, der ebenso groß ist wie seine Sammelleidenschaft. Seine Idee zeigt, dass ein Wunsch etwas in Bewegung bringen kann, wenn Fantasie und gute Freunde zusammenwirken.
Blätter, Blätter, Blätter richtet den Blick auf eine Form des Spielens, die keine fertigen Regeln oder besonderen Spielsachen benötigt. Monika Suskas farbenfrohe Illustrationen lassen den Herbstwald leuchten und greifen Bos Begeisterung für seine Schätze mit viel Humor auf. Das Bilderbuch für Kinder ab drei Jahren erzählt vom Glück, das in unscheinbaren Dingen verborgen sein kann, und weckt zugleich die Lust auf einen eigenen Streifzug durch die Natur.
Lisa Gastager wurde 1982 in Salzburg geboren und ist Fotografin sowie Kultur- und Sozialanthropologin. Bücher begleiten sie bereits seit ihrer Kindheit, doch ihre besondere Liebe zu Bilderbüchern entdeckte sie erst durch ihre drei Kinder. Deren Blick auf die Welt und ihre alltäglichen Erlebnisse liefern ihr immer wieder neue Ideen für eigene Geschichten. Mit Blätter, Blätter, Blätter setzt sie ihre Bilderbuchreihe über die kindliche Freude am Sammeln und Spielen in der Natur fort.
Monika Suska stammt aus Warschau und arbeitet seit 2010 als professionelle Kinderbuchillustratorin. Ihre Bilder wurden bereits in Europa, Großbritannien, den USA, Südkorea und den Vereinigten Arabischen Emiraten veröffentlicht. Neben Kinderbüchern gestaltet sie Muster, Figuren und illustrative Markenwelten. Heute lebt und arbeitet sie abwechselnd in Warschau und Mexiko-Stadt. Ihre Freude am Reisen begleitet sie ebenso wie ihre Begeisterung für das Zeichnen. Für Lisa Gastagers Naturreihe illustrierte sie bereits Stöcke, Stöcke, Stöcke und Steine, Steine, Steine. Nun bringt sie auch Bos herbstliche Blättersammlung mit kräftigen Farben und lebendigen Tierfiguren aufs Papier.
Miau, Mäh, Muh – Ich hör dir zu – Franziska Reichenbach
Für Mini gibt es kaum etwas Schöneres als Tiere. Am liebsten würde sie jedes von ihnen sofort streicheln, umarmen und ganz nah bei sich haben. Schließlich meint sie es doch nur lieb. Doch Zuneigung allein verrät noch nicht, ob eine Berührung wirklich willkommen ist. Bei ihren Begegnungen mit Pferd, Katze, Hund und weiteren Tieren lernt Mini deshalb genauer hinzusehen. Ein Fauchen, ein zurückweichender Körper oder ein vorsichtiges Beschnuppern können deutlich zeigen, was ein Tier gerade braucht. Nach und nach versteht sie, dass Tierliebe nicht allein durch Nähe entsteht. Auch Abstand zu halten und ein Nein zu akzeptieren, gehört zu einem respektvollen Miteinander.
Miau, mäh, muh – ich hör dir zu greift ein wichtiges Thema aus dem Familienalltag auf und vermittelt es ohne erhobenen Zeigefinger. Die eingängigen Reime machen Minis Entdeckungen für Kinder ab vier Jahren leicht verständlich, während Marielle Rusches warme Illustrationen dabei helfen, die Körpersprache der Tiere zu erkennen. Minis Begeisterung für ihre tierischen Freunde geht dabei nicht verloren. Sie wird lediglich um etwas Entscheidendes erweitert, nämlich um Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse des anderen.
Franziska Reichenbach ist die kreative Stimme hinter „franzisaidwhat“. Aus persönlichen Einblicken in ihren Familienalltag ist eine Plattform entstanden, auf der sie Eltern mit Ideen für ein bewusstes und zugleich alltagstaugliches Familienleben begleitet. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren vier Kindern lebt sie in der Mitte Deutschlands. Auf ihren Kanälen teilt sie kreative Beschäftigungen, Rezepte und Anregungen für gemeinsame Erlebnisse. Dabei geht es ihr nicht um einen perfekten Alltag, sondern um schöne Momente, die sich auch mit wenig Aufwand verwirklichen lassen. Mit Miau, mäh, muh – ich hör dir zu bringt sie ihre Nähe zu Kindern und Familienthemen erstmals in eine gereimte Bilderbuchgeschichte ein.
Cornelia Boese stammt aus Würzburg und studierte dort an der Hochschule für Musik. Viele Jahre arbeitete sie als Opernsouffleuse, Kinderkonzertmoderatorin und Bühnenmusikerin an verschiedenen europäischen Theatern. Auch ihre deutsche Übersetzung einer verschollenen Oper von Antonio Salieri machte sie als Autorin bekannt. Heute lebt Cornelia Boese als freischaffende Dichterin in ihrer Heimatstadt und schreibt Bücher sowie Gedichte für Kinder und Erwachsene. Besonders gern erzählt sie in heiteren, rhythmisch klingenden Versen. Dieses Gespür für Sprache prägt auch Miau, mäh, muh – ich hör dir zu und verleiht Minis Begegnungen mit den Tieren ihren eingängigen Klang.
Marielle Rusche ist Illustratorin und Grafikdesignerin aus der Nähe von Aachen. An der Academy of Fine Arts Maastricht studierte sie Visuelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Grafikdesign. Anschließend arbeitete sie mehr als zehn Jahre im Grafik- und Markendesign, bevor sie sich ganz der Kinderbuchillustration zuwandte. Seit 2025 ist sie hauptberuflich als freiberufliche Illustratorin tätig. Ihre Bilder sollen kleine Welten erschaffen, in denen Gefühle sichtbar werden und Geschichten weiterwachsen können. In Miau, mäh, muh – ich hör dir zu verleiht sie jedem Tier einen eigenen Ausdruck. Dadurch unterstützt sie Kinder dabei, Haltung, Mimik und kleine Signale aufmerksam wahrzunehmen.

Am Ende dieser Auswahl bleibt keine fertige Anleitung für das Großwerden zurück. Vielmehr verändert sich der Blick auf jene kleinen Augenblicke, die im Alltag leicht übersehen werden. Ein Gefühl bekommt einen Namen, eine Grenze wird verständlich und aus einer scheinbar unmöglichen Idee entsteht ein eigener Weg. Was auf den Buchseiten beginnt, reicht dabei weit über das Vorlesen hinaus. Vielleicht wird das nächste gefundene Blatt etwas länger betrachtet. Ein Nein erhält mehr Aufmerksamkeit. Eine Farbe landet genau dort, wo sie angeblich nicht hingehört. Solche Veränderungen sind klein genug, um beinahe unbemerkt zu bleiben, und zugleich bedeutend genug, um die Sicht eines Kindes auf sich selbst und andere zu prägen. Müssen Geschichten mehr leisten? Sie können nicht jeden Zweifel nehmen und räumen auch nicht jedes Hindernis aus dem Weg. Doch sie hinterlassen ein inneres Bild davon, wie sich Geborgenheit, Rücksicht oder leiser Mut anfühlen können. Dieses Bild wirkt weiter, lange nachdem das Buch wieder im Regal steht.


