Nur noch ein Kapitel. Ein guter Vorsatz, bis die Neugier dazwischenfunkt. Wer klappt ein Buch schon gern zu, wenn auf der nächsten Seite etwas Unbekanntes wartet? Dann wird weitergelesen, obwohl man längst etwas anderes machen wollte. Die Geschichte hat ihren eigenen Rhythmus gefunden, und für eine Weile folgt man einfach mit.
Für die Monate Juli bis September haben wir neue Kinderbücher für Leserinnen und Leser von acht bis zwölf Jahren ausgewählt. Uns hat dabei besonders angesprochen, wie viel Raum diese Geschichten dem Entdecken geben. Ihre Figuren schauen aufmerksam hin und lassen sich von dem berühren, was ihnen begegnet. Daraus kann ein großes Abenteuer entstehen. Es kann aber auch der Anfang einer Freundschaft sein, die allmählich verändert, wie jemand die Welt betrachtet.
Diese Offenheit macht die Auswahl reizvoll. Die Geschichten dürfen ausgelassen sein und trotzdem einen ernsten Gedanken mitbringen. Sie können sich Zeit nehmen und dennoch die Neugier wachhalten. Auch die Illustrationen laden dazu ein, genauer hinzusehen und auf einer Seite länger zu verweilen. So findet jedes Buch seinen eigenen Weg zu seinem Publikum. Beim Blättern lohnt es sich deshalb, der ersten Neugier zu folgen. Vielleicht beginnt gerade dort eine Lieblingsgeschichte, wo man eigentlich nur kurz hineinlesen wollte.
Geschichten führen uns an fremde Orte und lassen uns mit neuen Augen nach Hause kommen.
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Fogandbooks

Hixel. Ein Koboldsommer ohne Socken – Aniela Ley
Henja lässt sich ihre letzten Socken nicht einfach wegnehmen. Als ein zotteliger Junge damit verschwinden will, jagt sie ihm mit ihrer französischen Bulldogge hinterher. Wenig später steckt der Dieb im Kamin fest und braucht ausgerechnet ihre Hilfe. Hixel ist ein Kobold, dessen erste magische Reifeprüfung gründlich schiefgegangen ist. Nun versperrt auch noch eine kaputte Waschmaschine das Portal zurück in seine Welt. Henja muss sich mit einem Gast arrangieren, den sie sich gewiss nicht ausgesucht hätte. Gerade die Reibereien der beiden und Hixels eigenwillige Vorstellungen von gutem Benehmen geben der Geschichte ihren Witz. Zugleich geht es darum, jemandem zu helfen, der einem zunächst gehörig auf die Nerven geht. Henja lässt sich von seiner frechen Art jedenfalls nicht davon abhalten, sein Problem ernst zu nehmen.
Aniela Ley erzählt mit verspielten Wortschöpfungen und viel Situationskomik. Nikolai Rengers Schwarzweißillustrationen tragen den Humor mit zerzausten Haaren, großen Augen und empörten Gesichtern weiter. Mit 128 Seiten ist Hixel ein überschaubares Abenteuer für Kinder ab acht Jahren, die Magie gern mitten im vertrauten Alltag entdecken.
Aniela Ley schreibt fantastische Geschichten für Kinder und Jugendliche. Zu ihren Büchern gehören die Reihen Lia Sturmgold, #London Whisper und Silvercliff Hall. Ihre Begeisterung für Bücher reicht bis in die Kindheit zurück, als sie sich beim Lesen selbst in andere Welten träumte. Heute erfindet sie solche Abenteuer für ihre Leserinnen und Leser. Zu ihrem Schreiballtag gehören Tee, Süßigkeiten und ihre beiden Hunde, die sie regelmäßig vom Schreibtisch nach draußen locken.
Nikolai Renger wurde in Karlsruhe geboren und studierte Visuelle Kommunikation in Pforzheim. Seit 2013 arbeitet er im Atelier Remise in Karlsruhe als freier Illustrator für Verlage und Agenturen. Neben Hixels Koboldabenteuer illustriert er unter anderem die Kinderbuchreihe Ein Otti für alle Fälle. Seine Figuren bringen den Humor der Geschichten durch ausdrucksstarke Gesichter und lebhafte Bewegungen auch in den Bildern zur Geltung.
Blätterlachen – Uno López-Caparrós Jungmann
Für Ina klingt Zuhause nach rauschenden Blättern. Der Wald hinter ihrem Haus gehört zu ihrem Alltag, mit seinen Eichhörnchen, Buntspechten und vertrauten Wegen. Dann lässt ein Unwetter eine Fichte auf das Dach stürzen. Ina und ihre Mutter müssen zu Tante Anita in die Stadt ziehen. Dort wirken die Straßen, Häuser und Menschen zunächst fremd. Ein Apfelbaum hinter einer Mauer und die Begegnung mit einem anderen Mädchen werden zu ersten Anknüpfungspunkten.
Una López-Caparrós Jungmann nimmt Inas Heimweh ernst und erzählt aufmerksam aus ihrer Perspektive. Die Natur prägt, was das Mädchen wahrnimmt und vermisst. Eine neue Freundschaft eröffnet ihr allmählich die Möglichkeit, sich einzuleben. Dabei darf die Sehnsucht nach dem bisherigen Zuhause bestehen bleiben. Die Geschichte gibt dem Gedanken Raum, dass man sich mehreren Orten verbunden fühlen kann. Kurze Zeilen, Wiederholungen und ein großzügiges Textbild geben der Erzählung einen ruhigen Rhythmus. Clara Essers zurückhaltende Illustrationen in Grün- und Ockertönen lassen Blätter und Äste über die Seiten wandern. Blätterlachen umfasst 224 Seiten und wird für Kinder ab neun Jahren empfohlen. Natur, Freundschaft und Veränderung werden hier durch kleine Beobachtungen und Inas Gefühle erfahrbar.
Una López-Caparrós Jungmann wurde 1999 geboren und studiert Anglistik und Germanistik in Köln und Rochester. Wenn sie nicht liest oder schreibt, unternimmt sie ausgedehnte Spaziergänge, besonders gern im Wald. Gemeinsam mit ihrem Bruder Gamander veröffentlichte sie bei Kosmos die Naturbücher Moments in Nature und Winter Moments in Nature. 2021 gewann sie den Jurypreis des Hattinger Förderpreises für junge Literatur. Ihre genaue Beobachtung der Natur prägt auch Inas Geschichte in Blätterlachen.
Clara Esser wurde 2000 geboren. Ihre künstlerische Ausbildung begann in Canterbury in England, anschließend studierte sie Illustration in Stuttgart. Seit ihrem Bachelorabschluss 2023 arbeitet sie als freie Illustratorin und Designerin in Süddeutschland. Natur, Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehören zu ihren wiederkehrenden Themen. Auch abseits ihrer Arbeit verbringt sie gern Zeit im Wald, liest und schreibt eigene Geschichten.


Ein Hund namens Katze trifft eine Katze – Tomi Kontio
Katze ist ein Hund, Marder ein Mensch, und die beiden gehören längst zusammen. Am Hafen schauen sie aufs Meer, beobachten die Schiffe und lassen ihre Gedanken wandern. Ihre Freundschaft gibt ihnen Halt in einem Leben, das sie gemeinsam verbringen. Als eine kleine schwarze Katze auftaucht, kommt Bewegung in diese vertraute Zweisamkeit. Die neue Bekanntschaft bringt ihre eigene Geschichte mit und stellt das Miteinander der beiden auf die Probe.
Tomi Kontio verbindet den Witz dieser ungewöhnlichen Begegnung mit einem Gefühl, das auch Kinder aus ihren Freundschaften kennen können. Wenn jemand Neues dazukommt, entsteht manchmal die Sorge, den eigenen Platz zu verlieren. Die Geschichte nimmt diese Unsicherheit ernst und erzählt zugleich davon, dass Zuneigung wachsen kann, wenn man sie teilt. Die Gespräche der Figuren geben diesem Gedanken eine persönliche, behutsame Form.
Elina Warstas Illustrationen wechseln von weiten Hafenansichten zu großen, ausdrucksvollen Porträts. Feine Muster beleben das Wasser und die farbigen Flächen, während Blicke und Körperhaltungen die Gefühle der Figuren sichtbar machen. Auf 40 Seiten entsteht so ein literarisches Bilderbuch, das zum gemeinsamen Betrachten und Weiterdenken einlädt. Auch ohne Kenntnis des ersten Bandes lässt sich diese Geschichte über Freundschaft, Freiheit und Zugehörigkeit entdecken.
Tomi Kontio wurde 1966 geboren und ist ein finnischer Dichter und Schriftsteller. Er schreibt Gedichte, Romane und Kinderbücher, seine Lyrik wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Sein erstes Kinderbuch Papa bekam Flügel im Frühling erhielt 2000 den Finlandia Junior Preis. Im folgenden Jahr zeichnete eine Kinderjury das Buch mit dem LukuVarkaus Preis aus. Gemeinsam mit Elina Warsta entwickelte er die Bilderbuchreihe rund um den Hund namens Katze.
Elina Warsta wurde 1979 geboren und arbeitet als Illustratorin und Grafikdesignerin. Mehrere ihrer Buchumschläge wurden im finnischen Wettbewerb Das schönste Buch des Jahres ausgezeichnet. Ihre illustrierten Bücher erscheinen auch außerhalb Finnlands. Mit Tomi Kontio verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit. In der Reihe Ein Hund namens Katze verleiht sie den Figuren mit strukturierten Farbflächen, eigenwilligen Proportionen und ausdrucksvollen Gesichtern einen unverwechselbaren Charakter.
Mission Microraptor. Immer Ärger mit Arty – Philip Kavvadias
Mit Arty im Gepäck wird aus einer Klassenfahrt eine Flucht vor Geheimagenten. Dabei haben Finn und Milo zunächst nur ein rätselhaftes Ei im Gletschereis der französischen Alpen entdeckt. Als daraus ein lebendiger Microraptor schlüpft, ist die Aufregung groß. Doch die Geheimorganisation SapientEx interessiert sich ebenfalls für den kleinen Dinosaurier und will ihn für ihre Forschung haben. Finn und Milo müssen Arty in Sicherheit bringen und geraten dabei selbst in Gefahr.
Finn erzählt das Abenteuer aus seiner Sicht und kommentiert die Ereignisse mit frechem Humor. Besonders komisch wird es, wenn seine Vorstellung vom großen Heldentum auf die Schwierigkeiten einer Flucht durch die Berge trifft. Philip Kavvadias verbindet diese Selbstironie mit Verfolgungsjagden und der Aufgabe, ein außergewöhnliches Lebewesen zu beschützen. Für Finn und Milo bedeutet das, zusammenzuarbeiten und Entscheidungen zu treffen, auf die sie niemand vorbereitet hat.
Falk „Zapf“ Holzapfels Illustrationen in Schwarz, Grau und Orange greifen die Bewegung der Geschichte auf. Ausdrucksvolle Gesichter, dramatische Perspektiven und weite Berglandschaften begleiten das Abenteuer. Mission Microraptor eröffnet auf 176 Seiten eine Reihe für Kinder ab zehn Jahren, die Dinosaurier, Geheimagenten und einen Erzähler mit ziemlich großer Klappe mögen.
Philip Kavvadias wuchs in Athen auf und lebt heute mit seiner Familie in Windsor. Neben Kinderbüchern schreibt er Drehbücher, Sketche und Gedichte. Als Ingenieur arbeitet er im Bereich Nachhaltigkeit, als Pfadfinderleiter begleitet er Kinder bei Abenteuern in der Natur. Sein Kinderbuchdebüt Mission Microraptor erschien 2024 in Großbritannien und eröffnete die Reihe um Finn, Milo und Arty.
Falk Holzapfel wurde 1980 geboren und studierte Kunst und Deutsch auf Lehramt. Unter dem Namen Zapf arbeitet er heute als freier Illustrator und Autor in Wien. Er hat bereits über 100 Bücher und Comics illustriert und schreibt auch eigene Geschichten. Außerdem gestaltet er Figuren für Brettspiele und Animationsprojekte. Seine Begeisterung für Comics und Rollenspiele begleitet ihn dabei durch seine verschiedenen Arbeitsbereiche.


Schascha und der Buchspazierer – Carsten Henn
Carl Kollhoff trägt Bücher durch die Stadt. Für die neunjährige Schascha ist das Grund genug, sich an seine Fersen zu heften. Die begeisterte Leserin begleitet den stillen Buchhändler zu seinen Kundinnen und Kunden und entdeckt, wie viel hinter einer gewöhnlichen Bücherlieferung stecken kann. Jeder Besuch öffnet die Tür zu einem anderen Leben. Aus den gemeinsamen Spaziergängen wächst eine Freundschaft, die beide verändert. Carsten Henn erzählt die Geschichte seines Romans Der Buchspazierer hier aus Schaschas Perspektive neu. Ihre Neugier, ihre Gedanken und ihre Beziehung zum alleinerziehenden Vater erhalten dadurch mehr Raum. Als die vertrauten Wege gefährdet sind, muss sie selbst einfallsreich werden und für die Menschen einstehen, die ihr inzwischen wichtig geworden sind. Bücher geben ihr dabei Ideen und Zuversicht. Zugleich bleibt unter der gemütlichen Oberfläche Platz für Einsamkeit und die Sorge, einen geliebten Menschen zu verlieren.
Annelie Schulzes farbige Illustrationen begleiten diese unterschiedlichen Stimmungen. Sonnige Gärten, verwinkelte Buchladenräume und nachdenkliche Abendbilder geben der Geschichte Wärme und Tiefe. Schascha und der Buchspazierer ist ein Kinderroman ab neun Jahren über die Freude am Lesen und darüber, wie aus Aufmerksamkeit und gemeinsam verbrachter Zeit Verbundenheit entsteht.
Carsten Henn wurde 1973 in Köln geboren und lebt mit seiner Familie im Rheinland. Neben seiner Arbeit als Schriftsteller ist er als Weinjournalist und Restaurantkritiker tätig. Er schreibt unter anderem kulinarische Krimis, Liebeskomödien und Theaterstücke. Sein Roman Der Buchspazierer wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und verfilmt. Mit Die Goldene Schreibmaschine und Schascha und der Buchspazierer richtet er sich auch an ein junges Publikum.
Annelie Schulze wurde 1998 in Münster geboren und begeisterte sich schon als Kind für Zeichnungen und Geschichten. Sie studierte Art and Technology an der niederländischen Saxion Hochschule und setzte ihre künstlerische Ausbildung an der IDEA Academy in Rom fort. Weitere Stationen führten sie nach Paris und Brüssel. Heute gestaltet sie Kinderbücher und Illustrationen, mit denen sie die Neugier auf Figuren und ihre Geschichten wecken möchte.
Katzenmond – Antonia Michaelis
Die Katzen haben Jeremias im Blick. Während er mit seinen Eltern im Oktober in Griechenland Urlaub macht, scheinen die streunenden Tiere ihn aufmerksam zu beobachten. Dann begegnet er dem geheimnisvollen Jungen Mond, der von einer verschwundenen Tür erzählt. Sie führte einst in eine Nachtwelt, in der Katzen erstaunliche Fähigkeiten besitzen. Gemeinsam mit Mond und Nyx beginnt Jeremias nach diesem Zugang zu suchen. Ein unheimlicher Schatten und ein Mann im silbernen Anzug machen ihre Spurensuche zunehmend gefährlich.
Antonia Michaelis lässt Jeremias selbst erzählen. Seine neugierigen Beobachtungen, kleinen Abschweifungen und spontanen Gedanken geben der Geschichte eine lebendige Stimme. Alltägliche Ferienerlebnisse gehen dabei in fantastische Entdeckungen über. Zugleich haben Trauer, Verlust und Einsamkeit ihren Platz. Auch die Not der Straßenkatzen bleibt sichtbar, denen mit dem nahenden Winter Hunger und Kälte drohen. Die Suche nach der Nachtwelt wird so zu einem Abenteuer über Freundschaft und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Sanna Wandtkes schwarzweiße Zeichnungen setzen kleine bildliche Akzente und begleiten die geheimnisvolle Atmosphäre. Mit 320 Seiten richtet sich Katzenmond an Kinder ab zehn Jahren, die sich gern länger in eine Geschichte vertiefen. Eine poetische Urlaubserzählung, deren Rätsel ebenso neugierig machen wie ihre eigenwilligen tierischen Begleiter.
Antonia Michaelis wurde 1979 in Kiel geboren und wuchs in Augsburg auf. Nach dem Abitur unterrichtete sie in Südindien, später studierte sie Medizin in Greifswald. Heute schreibt sie Romane und Theaterstücke für unterschiedliche Altersgruppen. Von 2018 bis 2020 lebte sie mit ihrer Familie in Madagaskar und beteiligte sich am Aufbau einer Schule. Ihre Geschichten verbinden häufig fantasievolle Erlebnisse mit schwierigen Lebensfragen und ungewöhnlichen Freundschaften.
Sanna Wandtke wurde 1989 in Berlin geboren und studierte Illustration an der HAW Hamburg. 2018 schloss sie ihr Masterstudium ab. Als freie Illustratorin gestaltet sie unter anderem Kinderbücher, Puzzles und Hörbuchcover. Sie arbeitet sowohl digital als auch mit Bleistift und legt besonderen Wert auf Details, Naturdarstellungen und Lichtstimmungen. Auch außerhalb ihres Ateliers zieht es sie ins Freie. Wandern und Übernachten in den Bergen gehören zu ihren großen Leidenschaften.

Für eine gute Geschichte braucht es weder immer eine magische Tür noch einen frisch geschlüpften Dinosaurier. Auch ein Apfelbaum hinter einer Mauer oder ein gemeinsamer Spaziergang kann der Anfang von etwas Besonderem sein. Die Bücher dieser Auswahl geben solchen Begegnungen ebenso viel Platz wie ihren großen Abenteuern. Dabei finden ihre Figuren nicht auf jede Frage sofort eine Antwort. Sie müssen Abschied nehmen, Vertrauen fassen und herausfinden, für wen sie einstehen möchten. Humor und Fantasie begleiten sie dabei, Freundschaften geben ihnen Halt. Vielleicht bleibt nach dem Lesen deshalb neben einer spannenden Geschichte auch ein aufmerksamerer Blick auf die eigene Umgebung. Schließlich lässt sich auch vor der eigenen Haustür noch etwas entdecken.


