No Hard Feelings – Genevieve Novak
Schon nach wenigen Seiten hatte mich No Hard Feelings genau da, wo ich es haben wollte. Zwischen bissigem Humor, leiser Melancholie und einer Ehrlichkeit, die manchmal fast wehtut, entfaltet Genevieve Novak eine Geschichte, die sich unglaublich nah anfühlt. Penny ist dabei keine Figur, die man einfach nur begleitet – man steckt förmlich in ihrem Kopf fest. Ihre Unsicherheiten, ihr Chaos, ihr trockener Blick auf die Welt haben etwas so Echtes, dass ich stellenweise lachen und im nächsten Moment innehalten musste. Und dann ist da diese Dynamik mit Leo, die sich ganz leise aufbaut und trotzdem sofort spürbar ist. Was das Buch für mich besonders macht, ist dieser ungeschönte Blick auf das Leben. Freundschaften, die Risse bekommen. Beziehungen, die nicht einfach funktionieren. Der konstante Druck, irgendwie alles zusammenhalten zu müssen, obwohl man selbst kaum weiß, wo man eigentlich steht. Genau darin liegt die Stärke der Geschichte, weil sie sich nie darum bemüht, alles glattzubügeln.
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Ich bin wie ein Chihuahua kurz vorm Nervenzusammenbruch.1
Penny bleibt dabei durchgehend greifbar, auch wenn ihre Gedanken sich zeitweise stark um sie selbst drehen. Es gibt einen Moment, in dem das fast kippt, weil man sich ein wenig Abstand wünschen würde. Aber genau hier fängt sich die Geschichte wieder und findet zurück zu einer Balance, die ihre Unsicherheiten ernst nimmt, ohne sich darin zu verlieren. Schwieriger wurde es für mich bei Becs Entschuldigungsanruf, der sich nicht ganz stimmig angefühlt hat. Vor allem Pennys Reaktion darauf ließ mich etwas ratlos zurück, weil nicht jede Verletzung einfach mit ein paar Worten aus der Welt geschafft ist. Leo bringt eine ruhige, fast vorsichtige Energie in die Geschichte, die einen spannenden Kontrast zu Penny bildet. Gerade weil er nicht sofort alles offenlegt, wirkt seine Präsenz umso intensiver. Gleichzeitig bleibt die Geschichte mehr als nur eine romantische Entwicklung. Sie erzählt davon, wie schwer es sein kann, sich selbst auszuhalten, und wie wichtig es ist, sich den eigenen Ängsten wirklich zu stellen.
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»Niemand ist glücklich«, entgegne ich. »Das hier ist kein Nancy-Meyers-Film. Das Glück ist kein Flugzeug, in das man ein steigt und davonfliegt. Die Menschen erleben nur deshalb ab und zu schöne Momente, damit sie sich nicht auf die Gleise werfen.2
Besonders hängen geblieben ist bei mir das Ende. Kein großes, überinszeniertes Finale, sondern etwas viel Ehrlicheres. Es zeigt, dass Wachstum nicht plötzlich abgeschlossen ist, sondern in kleinen Momenten passiert, die sich leise zusammensetzen. No Hard Feelings fühlt sich an wie ein Blick hinter die Fassade eines Lebens, das nach außen vielleicht funktioniert, innerlich aber noch längst nicht sortiert ist. Eine Geschichte, die gleichzeitig unterhält und nachhallt, die Ecken und Kanten zulässt und genau dadurch so authentisch wirkt. Penny ist dabei alles andere als perfekt, aber genau das macht sie so nahbar. Trotz kleiner Schwächen in einzelnen Handlungssträngen bleibt vor allem dieses Gefühl zurück, etwas sehr Echtes gelesen zu haben. Eine Geschichte für alle, die sich zwischen Selbstzweifeln, Hoffnung und dem Wunsch nach mehr irgendwo wiederfinden.
1 Novak, G. (2025). No Hard Feelings (S.69). Pola.
2 Novak, G. (2025). No Hard Feelings (S. 32). Pola.







