No Hard Feelings – Genevieve Novak
Penny führt kein schlechtes Leben. Trotzdem fühlt es sich hartnäckig so an, als hätte ihres noch gar nicht richtig begonnen. Annie wird Partnerin in einer Kanzlei, Bec plant ihre Hochzeit und Leo scheint unbekümmert von einer Party zur nächsten zu ziehen. Penny hängt dagegen in einer zermürbenden On-Off-Beziehung mit Max fest, wartet vergeblich auf berufliche Anerkennung und versucht, ihre Panikattacken vor ihrem Umfeld zu verbergen. Als sie beschließt, endlich alles zu verändern, stehen ihr nicht nur ihre tyrannische Chefin und Max im Weg. Nächtliches Scrollen auf Instagram, verkatertes Aufwachen und gnadenlose Selbstkritik ziehen sie immer wieder in jene Gewohnheiten zurück, von denen sie sich eigentlich lösen möchte.
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Ich bin wie ein Chihuahua kurz vorm Nervenzusammenbruch.1
Schon nach wenigen Seiten hatte mich No Hard Feelings genau da, wo ich es haben wollte. Bissiger Humor, leise Melancholie und eine Ehrlichkeit, die beinahe wehtut, verleihen der Geschichte eine erstaunliche Nähe. Genevieve Novak lässt die Lesenden so tief in Pennys Gedanken eintauchen, dass es kaum möglich ist, Abstand zu ihr zu gewinnen. Ihr Chaos, ihre Unsicherheiten und ihr trockener Blick auf die Welt wirken so echt, dass ich in einem Augenblick lachen und kurz darauf nachdenklich innehalten musste. Penny ist keine Figur, die jederzeit vernünftig handelt oder besonders leicht zu mögen ist. Gerade ihre Fehler und Widersprüche machen sie jedoch glaubwürdig.
Besonders stark ist der ungeschönte Blick auf ein Leben, das nach außen funktioniert und innerlich längst aus dem Gleichgewicht geraten ist. Freundschaften bekommen Risse, Beziehungen lassen sich nicht einfach reparieren und der Druck, alles zusammenhalten zu müssen, wird zunehmend erdrückend. Zeitweise kreisen Pennys Gedanken so stark um sie selbst, dass ich mir etwas mehr Abstand gewünscht hätte. Die Geschichte findet jedoch rechtzeitig zu einer Balance zurück, die ihre Ängste ernst nimmt, ohne sich vollständig darin zu verlieren. Weniger stimmig empfand ich Becs Entschuldigungsanruf und Pennys Reaktion darauf, denn nicht jede Verletzung lässt sich mit wenigen Worten aus der Welt schaffen. Leo bildet mit seiner ruhigen und vorsichtigen Art einen gelungenen Gegenpol zu Penny. Seine Gefühle und Beweggründe werden erst langsam sichtbar, wodurch sich ihre Verbindung unaufgeregt und dennoch intensiv entwickelt. Trotzdem bleibt der Roman deutlich mehr als eine Liebesgeschichte.
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»Niemand ist glücklich«, entgegne ich. »Das hier ist kein Nancy-Meyers-Film. Das Glück ist kein Flugzeug, in das man ein steigt und davonfliegt. Die Menschen erleben nur deshalb ab und zu schöne Momente, damit sie sich nicht auf die Gleise werfen.2
Besonders nachgewirkt hat das ruhige Ende. Statt eines überinszenierten Finales zeigt es, dass persönliches Wachstum keinen klaren Abschluss besitzt, sondern aus vielen kleinen Entscheidungen entsteht. Penny hat nicht plötzlich alle Antworten und ihr Leben ist weiterhin alles andere als perfekt. Sie beginnt jedoch, sich ihren Ängsten zu stellen und Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen zu übernehmen. No Hard Feelings unterhält, berührt und erlaubt seinen Figuren, widersprüchlich zu bleiben. Trotz kleiner Schwächen in einzelnen Handlungssträngen bleibt deshalb vor allem das Gefühl zurück, etwas ausgesprochen Ehrliches gelesen zu haben.
1 Novak, G. (2025). No Hard Feelings (S.69). Pola.
2 Novak, G. (2025). No Hard Feelings (S. 32). Pola.







