Happy Ending

Erzählungen

  • Titel: Happy Ending
  • Autor/in: Anne-Marie Varga
  • Verlag: Lübbe
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Genre: Romane & Erzählungen
  • Tropes: Grumpy x Sunshine | Finding yourself | Found Family
  • Seiten: 432

Happy Ending  – Anne-Marie Varga

Nachdem ich Happy Ending beendet habe, bleibt bei mir vor allem ein Gefühl zurück: Erleichterung im positiven Sinn. Nicht, weil ich froh bin, das Buch „hinter mir zu haben“, sondern weil sich die Geschichte nun abgeschlossen anfühlt. Rosies Weg ist erzählt, ihre Entwicklung abgeschlossen, und auch wenn mich nicht jeder Teil gleichermaßen überzeugt hat, war es insgesamt eine emotionale und ehrliche Leseerfahrung.

Der Schreibstil ist definitiv etwas, woran man sich erst gewöhnen muss. Die extreme Nähe zu Rosies Gedankenwelt sorgt dafür, dass man ihr ständig sehr nah ist – manchmal fast schon zu nah. Gerade zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle sehr dicht aufeinander folgen und kaum Raum zum Durchatmen lassen. Gleichzeitig ist genau das auch die große Stärke des Buches. Denn je weiter die Geschichte voranschreitet, desto klarer wird, wie konsequent dieser Stil Rosies innere Zerrissenheit widerspiegelt. Ihre Unsicherheiten, ihre Selbstzweifel und ihre Ängste wirken dadurch sehr authentisch und nachvollziehbar.

Ich wünschte, Schreiben wäre so meditativ wie Kaffeemachen. Ich wünschte, ich könnte meine Wörter auch einfach in eine Tasse gießen und dass sie fluffig und schaumig wären, um dann genussvoll von einem Fremden konsumiert zu werden.1

Rosie als Protagonistin hat mich über weite Strecken sehr berührt. Sie ist keine perfekte Figur, sondern macht Fehler, hadert mit sich selbst und stellt ihre eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten an. Besonders ihr innerer Konflikt zwischen ihren Gefühlen für Gamble und der Loyalität gegenüber Tara wird glaubwürdig und schmerzhaft dargestellt. Man merkt deutlich, wie sehr sie versucht, „das Richtige“ zu tun, auch wenn es sie selbst unglücklich macht. Diese emotionale Zerrissenheit war für mich einer der stärksten Aspekte des Buches. Der Mittelteil war für mich ganz klar das Herzstück der Geschichte. Hier entfaltet sich die Dynamik zwischen Rosie und Gamble am intensivsten. Das ständige Schwanken zwischen Nähe und Distanz, das unausgesprochene Verlangen, die Schuldgefühle und die Angst vor Konsequenzen sorgen für eine emotionale Spannung, die mich wirklich gepackt hat. In diesen Momenten habe ich mit den Figuren mitgelitten, mitgefiebert und oft auch innerlich den Kopf geschüttelt, weil alles so kompliziert und gleichzeitig so menschlich war.

Das Ende hingegen konnte diese Intensität für mich nicht ganz halten. Es war stimmig und rund, aber sehr vorhersehbar. Viele Entwicklungen zeichneten sich früh ab: dass Tara die beiden irgendwann erwischt, dass Rosie zunächst flieht, dass es letztlich doch auf ein Happy End hinausläuft. All das passt zum Titel und zur Grundidee des Buches, ließ mich aber emotional etwas distanzierter zurück als der Mittelteil. Mir fehlte dieser letzte Funke, der das Ende wirklich besonders gemacht hätte. Trotzdem bleibt Happy Ending für mich ein ehrliches, realistisches Buch über Liebe, Loyalität, Selbstzweifel und die Angst, sich selbst im Weg zu stehen. Es ist kein Highlight, das mich noch lange beschäftigen wird, aber ein solides, gut geschriebenes Buch mit starken emotionalen Momenten und einer Protagonistin, die sich sehr echt anfühlt.

1 Varga, A.-M. (2025). Happy Ending (S.130). Lübbe.

 

 

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