
- Titel: The Faraway Inn
- Autor/in: Sarah Beth Dust
- Verlag: Loewe
- Erscheinungsjahr: 2026
- Genre: Fantasy
- Seiten: 400
- Alter: ab 12 Jahren

The Faraway Inn – Sarah Beth Dust
The Faraway Inn ist ein cozy Fantasyroman, der sich bewusst Zeit nimmt, Atmosphäre aufzubauen, statt auf schnelle Wendungen oder große Dramatik zu setzen. Im Mittelpunkt steht Calisa, die nach einer schmerzhaften Trennung ihr gewohntes Leben hinter sich lässt und den Sommer im abgelegenen Bed & Breakfast ihrer Großtante in Vermont verbringt. Was zunächst wie ein ruhiger Rückzugsort wirkt, entpuppt sich schnell als ziemlich brüchige Zwischenstation: ein heruntergekommenes Haus, eine distanzierte Großtante und dieses unmittelbare Gefühl, nicht wirklich willkommen zu sein. Gerade dieser Einstieg funktioniert gut, weil nichts beschönigt wird und Calisa nicht in einer perfekten Wohlfühlwelt ankommt, sondern in einem Ort, der selbst erst wieder in Ordnung gebracht werden muss. Je länger sie bleibt, desto deutlicher zeigen sich kleine Unstimmigkeiten, seltsame Gäste und eine Atmosphäre, die Schritt für Schritt etwas Magisches andeutet, ohne es sofort zu erklären.
Besonders schön ist dabei, wie zugänglich die Magie erzählt wird. Sie drängt sich nicht auf, sondern entsteht ganz natürlich aus dem Alltag im Inn heraus, wodurch man sie gemeinsam mit Calisa entdeckt. Das passt auch gut zur Zielgruppe ab 12, weil die Geschichte nicht überfordert, sondern eher neugierig macht und Raum lässt, selbst mitzudenken. Calisa selbst trägt die Handlung sehr angenehm. Sie wirkt nicht überzeichnet mutig oder perfekt, sondern eher wie jemand, der verletzt ist, trotzdem weitermacht und dabei langsam lernt, Verantwortung zu übernehmen. Diese Entwicklung wirkt glaubwürdig und leicht nachvollziehbar, ohne zu kompliziert oder schwer zu werden.
![]()
Jeder brauchte einen Ort, an den der fliehen konnte, und dieses Haus hier…Es erfüllt ein Bedürfnis. Ein wichtiges Bedürfnis.1
Das Faraway Inn selbst bekommt fast eine eigene Präsenz, weil es zwischen Verfall und Geheimnis schwankt und dadurch ständig dieses Gefühl entsteht, dass mehr hinter den Mauern steckt, als man auf den ersten Blick sieht. Jack, der Sohn des Hausverwalters, fügt sich ruhig in diese Umgebung ein und die Beziehung zwischen ihm und Calisa entwickelt sich vorsichtig und ohne große Dramatik, was gut zur sanften Grundstimmung passt. Auch Großtante Zee bleibt lange schwer greifbar, bevor sich nach und nach zeigt, dass hinter ihrer abweisenden Art mehr steckt als bloße Kälte.
Der Schreibstil unterstützt diese ruhige, leicht zugängliche Erzählweise sehr gut. Er ist bildhaft genug, um das Setting lebendig wirken zu lassen, bleibt aber klar und einfach verständlich, was gerade für ein jüngeres Publikum angenehm ist. Insgesamt lebt die Geschichte weniger von Spannung oder Überraschungen, sondern viel stärker von Stimmung, Figuren und dem schrittweisen Entdecken eines besonderen Ortes. Wer also keine actionreiche Fantasy erwartet, sondern eine sanfte, magische Geschichte mit Herz, findet hier genau das richtige Gefühl zwischen Alltag und leiser Magie.
1 Dust. S. B. (2026). The Faraway Inn. Loewe.


