
- Titel: Aftermyth
- Autor/in: Tracy Wolff
- Verlag: dtv
- Erscheinungsjahr: 2026
- Genre: Jugendbuch-Fantasy
- Alter: ab 12 Jahre
- Seiten: 448

Aftermyth – Tracy Wolff
Penelope Weaver verfolgt seit Jahren nur ein Ziel. Sie möchte an der Anaximander-Akademie aufgenommen werden, an der griechische Mythen lebendig sind und die Schülerinnen und Schüler verschiedenen Götterhäusern zugeteilt werden. Für die kluge und regeltreue Penelope steht fest, dass ihr Platz im Haus der Athena sein muss. Nach ihrer Ankunft gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder Paris gerät dieser sorgfältig geplante Weg jedoch völlig durcheinander. Penelope landet ausgerechnet in einem Haus, das kaum zu ihrer Persönlichkeit zu passen scheint, erhält eine chaotische Musen-Helferin und soll nahezu unlösbare Helden-Aufgaben bewältigen. Dadurch muss sie nicht nur die Prüfungen der Akademie bestehen, sondern auch herausfinden, ob der für sie vorgesehene Weg wirklich der richtige ist.
Bereits nach wenigen Seiten entwickelt die Geschichte einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Tracy Wolff schreibt zugänglich, dynamisch und voller Leichtigkeit, ohne die Spannung aus den Augen zu verlieren. Besonders die Verbindung aus moderner Academy-Geschichte und griechischer Mythologie erzeugt eine Atmosphäre, die verspielt, magisch und zugleich geheimnisvoll wirkt. Penelope hebt sich dabei wohltuend von klassischen Heldinnen ab. Sie hat keineswegs von Beginn an alles im Griff, sondern stolpert immer wieder in Situationen, die sie herausfordern und überfordern. Gerade der ständige Konflikt aus ihrem Wunsch nach Kontrolle und einer völlig unberechenbaren Realität macht ihre Entwicklung greifbar. Schritt für Schritt beginnt sie, sich von fremden Erwartungen zu lösen und ihren eigenen Weg zu suchen.
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Nicht das Schicksal entscheidet, wer du bist, sondern was du daraus machst.
Die Anaximander-Akademie lebt von ihren kreativen Ideen. Götterhäuser, anspruchsvolle Prüfungen und zahlreiche mythologische Einzelheiten verleihen der Welt einen vertrauten Academy-Vibe, ohne sie beliebig wirken zu lassen. Allerdings bleibt das vorhandene Potenzial an einigen Stellen noch ungenutzt. Zahlreiche Aspekte werden lediglich angerissen, obwohl besonders die Welt außerhalb der Akademie mehr Raum verdient hätte. Auch die Handlung gönnt Penelope und den Lesenden nur selten eine Pause. Ein Hindernis folgt auf das nächste, wodurch das Buch ausgesprochen kurzweilig bleibt, einzelne Ereignisse jedoch kaum nachwirken können. Dafür bilden die authentischen Freundschaften eine warme emotionale Grundlage und geben den Figuren auch in den chaotischsten Augenblicken Halt.
Was nach dem ganzen mythologischen Chaos besonders nachhallt, ist die Botschaft der Geschichte. Penelope muss erkennen, dass weder Erwartungen noch vermeintlich festgelegte Wege darüber entscheiden, wer sie sein darf. Aftermyth erzählt vom Mut, den eigenen Platz zu suchen und sich gegen eine Zukunft zu stellen, die längst vorbestimmt scheint. Trotz kleiner Schwächen im Weltenbau überzeugt der Auftakt durch sein hohes Tempo, seine besondere Atmosphäre und eine Protagonistin, deren Entwicklung neugierig auf die kommenden Bände macht.


