Ein ganz normaler Tag in der Buchhandlung

Ein ganz normaler Tag in der Buchhandlung
Essay · Fogandbooks

Ein ganz normaler Tag in der Buchhandlung

Warum wir Bücher wählen, zögern und manchmal einfach wieder gehen.

Ich stehe zwischen den Regalen, ohne nach einem bestimmten Buch zu suchen. Es ist nicht das, was vor mir liegt, das mich hält, sondern das, was dazwischen geschieht. Menschen kommen und gehen, bleiben stehen, greifen nach Büchern, legen sie zurück. Nichts daran wirkt besonders und doch trägt jeder Moment etwas Eigenes in sich.

Die beiden Mädchen hinten an den Regalen kichern leise, ihre Freude liegt offen in ihren Gesichtern. Sie halten das Buch, drehen es ins Licht, betrachten den Farbschnitt, als wäre er ein kleines Versprechen. Es geht nicht nur um die Geschichte. Es geht darum, dass dieses Buch gerade überall ist, dass sie Teil davon sind. Für sie ist es kein Zögern, kein Abwägen. Es ist ein Fund. Ich sehe ihnen einen Moment länger zu und freue mich. Es ist ein schöner Anblick, so viele junge Menschen zwischen Büchern, vertieft, begeistert, ganz bei sich. Ein Mann ein paar Schritte weiter nimmt ein Buch aus dem Regal. Er dreht es in seinen Händen, betrachtet das Cover, als würde er darin etwas prüfen, das sich nicht sofort zeigt. Dann schlägt er es auf, liest ein paar Zeilen, kaum mehr. Sein Blick bleibt ruhig. Nach einem Moment stellt er es zurück, vorsichtig, als wäre nichts daran falsch, nur nicht für ihn.

Ich wende mich wieder den Regalen zu. Weg von den Blicken, zurück zu den Büchern. Und ich weiß, wie oft ich genau hier stehe, ohne zu wissen, wonach ich eigentlich suche. Vor mir liegen unzählige Bücher, dicht an dicht, und doch erreicht mich keines von ihnen. Mein Blick wandert über Titel, Farben, Namen. Ich bleibe an einem hängen, dann am nächsten. Nichts bleibt. Vielleicht dort, denke ich. Vielleicht ein Regal weiter. Ich gehe ein paar Schritte, halte inne, ziehe ein Buch heraus, nur um es gleich wieder zurückzustellen. Es ist kein klares Nein. Eher ein leises Nicht jetzt. Ich dachte lange, es liegt an der Auswahl. Zu viel, zu wenig, nicht das Richtige. Doch je länger ich zwischen den Regalen stehe, desto mehr verschiebt sich dieser Gedanke. Vielleicht liegt es nicht an den Büchern. Ich entscheide mich heute, keines mitzunehmen. Ich lasse die Bücher dort, wo sie sind.

„Vielleicht wählen wir Bücher nicht nur nach ihren Geschichten, sondern danach, ob sie uns im richtigen Augenblick erreichen.“

Neben mir meine Tochter. Sie trägt einen Stapel in den Armen, sieben Bücher, fast zu viel für ihre Hände. Und doch hält sie sie fest, als könnte nichts davon verloren gehen. Ich sehe ihr Gesicht, diese Freude, die nicht erklärt werden muss. Sie hat gefunden, was sie gesucht hat, vielleicht sogar mehr, als sie erwartet hat. Menschen gehen selten gleichgültig aus einer Buchhandlung. Nicht alle, aber viele. Da ist etwas in ihren Bewegungen, ein kleines Mehr an Leichtigkeit, ein kaum sichtbares Lächeln. Als hätten sie etwas mitgenommen, das über das Buch hinausgeht. Die beiden Mädchen kichern immer noch. Ihre Stimmen begleiten sie bis zur Tür. Kurz bleiben sie stehen, zögern, lachen, dann ordnen sie sich neu. Hintereinander, nicht nebeneinander, so passt es besser durch den schmalen Ausgang. Eine kleine Entdeckung, die ihnen genauso viel Freude macht wie das Buch selbst. Ich bleibe einen Moment zurück, sehe ihnen nach, wie sie hinausgehen, einer nach dem anderen. Dann folge ich, mit leeren Händen, aber nicht ganz ohne etwas. Euch wünsche ich weiterhin wunderbare Lesestunden, auf dass das Buch, das ihr gerade lest, die richtige Entscheidung war. ♥

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet
0
Hinterlasse ein Kommentar :)x