A Magic Steeped in Poison – Judy I. Lin
Innerhalb der Young-Adult-Fantasy sticht A Magic Steeped in Poison vor allem durch sein originelles Magiesystem hervor. Anstelle klassischer Zaubersprüche rückt der Roman die Kunst des Teebrauens ins Zentrum und verbindet diese mit einem deutlich chinesisch inspirierten Worldbuilding. Dadurch wirkt die Geschichte trotz ihres Erscheinungsjahres noch immer eigenständig und interessant.
Betrachtet man das Buch innerhalb seines Genres, ist es insgesamt ein überzeugender Vertreter. Besonders hervorzuheben sind das ausgewogene Magiesystem sowie das durchdachte Worldbuilding. Die Idee, Magie über Tee wirken zu lassen, ist nicht nur ungewöhnlich, sondern wird auch konsequent umgesetzt. In Kombination mit der kulturellen Inspiration hebt sich der Roman deutlich von vielen bekannten Fantasyerzählungen ab.
Da es sich um den ersten Band einer Dilogie handelt, liegt der Fokus klar auf dem Aufbau von Welt, Figuren und Konflikten. Das bringt jedoch auch kleinere Schwächen mit sich. Gerade zu Beginn kann die Vielzahl an Namen, Figuren und politischen Zusammenhängen etwas überfordernd wirken. Als Leser:in benötigt man Geduld, um sich in die Geschichte einzufinden – diese anfängliche Verwirrung legt sich jedoch mit fortschreitender Lektüre.
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Früher habe ich meine Hände immer mit Stolz betrachtet. Jetzt kann ich nur noch denken: Diese Hände haben meine Mutter begraben.1
Der Schreibstil ist insgesamt eher schlicht gehalten, besitzt jedoch eine poetische Ästhetik, die gut zur ruhigen, ritualisierten Teemagie passt. Gleichzeitig sollte man den Anspruch nicht unterschätzen: Gerade für eine jüngere Zielgruppe können die fremdsprachlich geprägten Namen, Begriffe und das komplexe System durchaus herausfordernd sein. Das Buch verlangt Aufmerksamkeit und eignet sich weniger für eine sehr beiläufige Lektüre. Die Protagonistin Ning ist eine der großen Stärken des Romans. Sie handelt nicht aus Machtstreben, sondern aus Schuldgefühl, Liebe und Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihrer Schwester. Diese Motivation macht sie glaubwürdig und emotional zugänglich. Ihr Opfermut wirkt nicht pathetisch, sondern nachvollziehbar.
Auch die Nebenfiguren sind differenziert angelegt. Besonders der Adoptivsohn des verbannten Prinzen bleibt lange rätselhaft. Trotz magischer Wahrheitszwänge entsteht das Gefühl, dass er zahlreiche Geheimnisse verbirgt, was ihn zu einer schwer einschätzbaren Figur macht. Die Prinzessin hingegen überzeugt durch ihren politischen Weitblick und ihren ernsthaften Willen, ihr Reich zu schützen, während sie gleichzeitig von Intrigen und Machtspielen eingeschränkt wird.
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Wenn einem, seit man den Mutterleib verlassen hat, immer gesagt wird, dass man alles tun darf, warum sollte man jemals zögern? Wenn einem von der Geburt an gesagt wird, dass die Welt sich vor dir zu verbeugen hat, findet man es völlig normal, zum Aufstieg erkoren zu sein.2
Der Spannungsbogen ist bewusst wechselhaft gestaltet. Ruhigere Passagen wechseln sich mit intensiveren Momenten ab, wodurch ein angenehmer Lesefluss entsteht. Das Buch wirkt dadurch weder überladen noch langatmig, sondern lässt Raum zum Durchatmen. Das Ende mündet – typisch für eine Dilogie – in einem deutlichen Cliffhanger, der neugierig auf den zweiten Band macht. Viele Fragen bleiben offen, insbesondere in Bezug auf Nings Zukunft und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen.
Insgesamt hat mir A Magic Steeped in Poison gut gefallen, auch wenn es für mich kein absolutes Highlight war. Es handelt sich um eine atmosphärische Fantasygeschichte mit einer ungewöhnlichen Idee und gelungenen Figuren. Das Buch ist definitiv simmungsvoll, solide und empfehlenswert für junge Leser*innen, die sich in dem Genre wohlfühlen.
1 Lin, J.I., B. (2023). A Magic Steeped in Poison (S. 7). Sauerländer Verlag.
2 Lin, J.I., B. (2023). A Magic Steeped in Poison (S. 79). Sauerländer Verlag.









