Der Gesang der Flusskrebse –Delia Owens
Lange nach der letzten Seite bleibt nicht nur eine Geschichte zurück, sondern eine Landschaft. Das wechselnde Licht über den Salzmarschen, das Kommen und Gehen der Gezeiten und der Ruf der Wasservögel begleiten die Erinnerung weit über den Roman hinaus. Der Gesang der Flusskrebse erzählt von einem Ort, der ebenso lebendig wirkt wie seine Figuren.
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Sie wusste mehr über die Gezeiten, über Schneegänse,
Adler und Sterne, als die meisten Menschen je wissen würden.1
Die Geschichte führt in die Salzmarschen an der Küste North Carolinas. Zwischen Gezeiten, Schilf, Muschelbänken und endlosen Wasserarmen wächst Kya Clark auf. Von der Dorfgemeinschaft wird sie nur das Marschmädchen genannt. Während ihre Familie nach und nach verschwindet, bleibt sie allein zurück und lernt, nicht von Menschen, sondern von der Natur. Was diesen Roman so außergewöhnlich macht, ist seine Ruhe. Delia Owens erzählt nicht laut. Sie vertraut darauf, dass Landschaften sprechen können. Jede Tide verändert den Blick auf die Welt, jeder Vogel, jede Muschel und jede Feder erzählt etwas über das Leben. Die Marsch ist dabei weit mehr als eine Kulisse. Sie wird zu einer eigenen Figur. Sie schützt, ernährt, tröstet und prüft zugleich. Dabei entwickelt sich die Geschichte langsam. Wer einen klassischen Kriminalroman erwartet, wird überrascht sein. Zwar steht ein rätselhafter Todesfall im Mittelpunkt, doch eigentlich erzählt Owens von Einsamkeit, Ausgrenzung und der Frage, wie ein Mensch wird, wenn ihm kaum jemand Liebe oder Vertrauen entgegenbringt.

Du allein weißt
Wie Einsamkeit
Den Augenblick fast
Ins Unermessliche dehnt
Bis er endet
Und wie viel Himmel
In einem Atemzug ist
Wenn die Zeit vom Sand
Zurückgleitet.2
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