Der Riss, durch den das Licht eindringt

  • Titel: Der Riss, durch den das Licht eindringt
  • Autor/in: Helen Cullen
  • Verlag: Goldmann
  • Erscheinungsjahr: 2022
  • Genre: Romane & Erzählungen
  • Seiten: 368
  • Tropes: Roman / Belletristik

Der Riss, durch den das Licht eindringt Helen Cullen

Es gibt irische Romane, die nicht laut werden müssen, um tief zu berühren. Der Riss, durch den das Licht eindringt von Helen Cullen gehört genau zu diesen Büchern. Mit großer Ruhe und bemerkenswerter emotionaler Präzision erzählt sie eine Geschichte über Liebe, Verlust und die unsichtbaren Wunden, die ein Leben prägen können.

Im Mittelpunkt steht Maeve, die eines Nachts ihr Zuhause verlässt, ein Boot besteigt und nicht mehr zurückkehrt. Ihr Mann Murtagh und die vier gemeinsamen Kinder bleiben mit einer Frage zurück, auf die es zunächst keine Antwort gibt. Warum entscheidet sich eine Frau dazu, alles hinter sich zu lassen, was sie liebt? Die Vergangenheit öffnet sich Schicht für Schicht. Helen Cullen erzählt nicht geradlinig, sondern setzt Erinnerungen wie Mosaiksteine zusammen. Mit jeder Rückblende werden die Zusammenhänge klarer und zugleich schmerzhafter, bis schließlich sichtbar wird, wie eng Liebe, Verlust und Schweigen miteinander verbunden sind.

Hoffnung war das Licht, dem sie nach Hause folgen konnte.1

 

Die Figuren wirken lebendig und glaubwürdig. Jede von ihnen sucht einen eigenen Weg durch Trauer, Schuld und Erinnerung. Dabei verzichtet der Roman auf große Gesten. Vielmehr entfaltet sich seine Kraft in den leisen Zwischentönen, in Blicken, Gesprächen und den Dingen, die unausgesprochen bleiben. Gerade diese ruhige Erzählweise macht den Roman so eindrucksvoll.


In meinen Träumen
bin ich
manchmal taub gegen den Lärm.

Wenn ich ganz leise bin,
weht der Wind vielleicht an mir vorbei
,
statt durch mich hindurch.
2

 

Die irische Landschaft bildet dabei weit mehr als nur eine Kulisse. Sie trägt die Geschichte, spiegelt Stimmungen wider und verleiht ihr jene melancholische Weite, die viele der besten Romane aus Irland auszeichnet. Die gemeinsame Vergangenheit der Familie wird zunächst ausführlich nachgezeichnet. Später springt die Erzählung zwischen einzelnen Momenten der folgenden Jahre. In diesen Ausschnitten wird sichtbar, wie unterschiedlich die Zurückgebliebenen mit ihrer Trauer leben und wie der Verlust ihre weiteren Wege bestimmt. Ein wunderbarer Roman über Liebe, Verlust und die leise Hoffnung, die selbst nach schweren Zeiten wieder ins Leben zurückkehrt.

Helen Cullen ist eine irische Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin. Sie studierte unter anderem Theaterwissenschaft und Englische Literatur und promovierte im Bereich Creative and Critical Writing. Nach mehreren Jahren beim irischen Rundfunk RTÉ zog sie 2010 nach London und lebt heute in Winchester. Ihr Debütroman »Die verlorenen Briefe des William Woolf« erschien 2018 und wurde für den Irish Book Award in der Kategorie Best Newcomer nominiert. Die Irish Times nahm Helen Cullen im selben Jahr in eine Auswahl vielversprechender neuer Stimmen der irischen Literatur auf. Für »Der Riss, durch den das Licht eindringt« kehrt sie literarisch nach Irland zurück.

1. Der Riss, durch den das Licht eindringt – Helen Cullen (S. 150)
2. Der Riss, durch den das Licht eindringt – Helen Cullen (S.193)

 

Dieses Buch ist erhältlich bei

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